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Gruppe III. Chemische Industrie.
6. Durch die Bestimmung derjenigen Bestandteile entglaster
Gläser verschiedenen Ursprungs und verschiedener Zusammensetzung,
welche bei einer partiellen Zersetzung der letzteren mittelst Flusssäure
gelöst werden, sowie durch die chemische Untersuchung der dabei
unzersetzt bleibenden Reste wird man zu dem Schlüsse geführt, dass
das Entglasen nicht auf der Bildung von schwerschmelzbaren, sauren
Silicaten beruht, da Folgerungen aus der Analogie mit anderen Salzen
es im hohen Grade unwahrscheinlich machen, dass saure Silicate sich
nur bei höheren Temperaturen bilden und beständig erweisen, beim
Sinken der Temperatur aber wieder zerfallen. Dagegen drängt sich
die Ueberzeugung auf, dass wir es in den in Rede stehenden Fällen
mit einer Lösung von Kieselsäure resp. Feldspat in Glas (R 2 Si 2 0 5 )
zu tun haben, wo dann selbstverständlich verschiedenen Temperaturen
auch verschiedene Sättigungsgehalte zukommen. In dem scheinbar
amoi'phen Glase haben wir dann eine plötzlich oder wenigstens so
rasch erstarrte übersättigte Lösung, dass ein augenfälliges Auskrystalli-
siren nicht erfolgen kann, — daher die verworrenen Krystallisations-
gebilde in diesem Glase, welche dem Auge nur künstlich bemerkbar
zu macheü sind. — Bei den entglasten Gläsern dagegen war zum voll
ständigen Auskrystallisiren die erforderliche Zeit vorhanden, — daher die
besser ausgebildeten grösseren Krystalle in einer solchen Glasmasse,die
sich durch Behandlung mit Flusssäure von der Grundmasse trennen lassen.
H. Schwarz J ) hat ein partiell entglastes Glas aus der Siemens
sehen Glashütte in Dresden untersucht. Die Krystalle waren theil-
weise in kugeligen, wavellitähnlichen Massen innerhalb der durchsich
tigen amorphen Glasmasse ausgeschieden.
Durch die Analyse konnte kein wesentlicher Unterschied in der
Zusammensetzung der Krystalle und der Grundmasse nachgewiesen
werden. Wendet man auch auf dieses Beispiel den bereits angezogenen
Vergleich mit einer Salzlösung an, so darf man daher behaupten, dass
man es in diesem Falle mit einer übersättigten, durchaus gleichförmi
gen Lösung zu thun habe, aus welcher sich bei einer verhältnissmässig
raschen Abkühlung nur wenig gutausgebildete Krystalle absetzen
konnten und bei welcher die übrigens reine Mutterlauge sofort zu einer
homogenen Masse erstarrte.
Dagegen hat wieder E. Siegwart 2 ) einen Unterschied in der Zu
sammensetzung der krystallisirten und amorphen Glasmasse gefunden.
Derselbe theilt übrigens nur seine in Bezug auf das Entglasen gemach
ten Beobachtungen mit, ohne auf weitere theoretische Erörterungen
einzugehen.
*) Schwarz, Ding], pol. J. N CCV, 422. Wagn. Jahresber. 1872, 401.
2 ) Siegwart, Dingl. pol. J. CCV, 53. Wagn. Jahresber. 1872, 406.