MAK

Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

Ueber Zusammensetzung und Darstellung des Glases. 709 
Betreffs der zweiten Form, in welcher die Entglasung aufzutreten 
im Stande ist, des Blindwerdens des Tafelglases, sind ebenfalls sehr 
zahlreiche Untersuchungen angestellt worden. 
Das Erblinden ist eine Entglasung an der Oberfläche und zeigt 
sich dadurch, dass auf derselben ein staubförmiger Ueberzug entsteht. 
Diese Veränderung beruht auf einer Zersetzung des Glases durch den 
Einfluss der Atmosphärilien in der Weise, dass das Wasser dem Glase 
zuerst kieselsaures Alkali und dann kieselsauren Kalk entzieht, wah 
rend schliesslich Kieselsäure fast rein zurückbleibt. 
Weber 1 ) weist nun nach, dass das schnellere oder langsamere 
Erblinden lediglich in der chemischen Zusammensetzung des Glases 
seinen Grund hat. In erster Linie ist der Alkaligehalt, in zweiter Linie 
die Kalkmenge von Einfluss, so zwar, dass mit der Zunahme des erste- 
ren die Zersetzbarkeit sich steigert. In den meisten Fallen besitzen 
die Gläser einen so hohen Alkaligehalt, dass der Kalk nicht ausreicht, 
die beständige Doppelverbindung von kieselsaurem Alkali und kiesel- 
saurem Kalk zu erzeugen. Weber unterscheidet zwei Formen des 
Blindwerdens, einmal die Bildung eines staubähnlichen Beschlages und 
zweitens das Auftreten eines feuchten Thaues. Der staubförmige 
Ueberzug enthält vorzugsweise Natron, der feuchte Beschlag haupt 
sächlich "Kali, und es zeigen sich somit Analogien mit den Ausschei 
dungen aus Kali- resp. Natron Wasserglas. Weber giebt gleichzeitig 
eine Methode an, das Glas auf seine Fähigkeit, schneller oder lang 
samer zu erblinden, zu prüfen, welche auf der Einwirkung von Salz 
säuredämpfen während eines Zeitraumes von 20 bis 30 Stunden bei 
15 bis 20° beruht. . 
In seiner Arbeit über das russische Tafelglas bespricht Benrath-) 
auch das Erblinden und zeigt wie man, in St. Gobain in erster Lime, 
von den Untersuchungen früherer und neuerer Zeit in der Praxis Gebrauch 
gemacht hat. Zuerst suchte man, auf die Untersuchungen von P elouze, 
Vogel, Reischauer und Anderen gestützt, den Kieselsäuregehalt zu 
erhöhen, musste aber davon abstehen und gelangte schliesslich durch 
Vermehrung des Kalk- und Verminderung des Alkalizusatzes, indem 
man gleichzeitig durch Einführung von zweckmässiger construirten 
Oefen die Schwierigkeiten, welche die vermehrte Schwerschmelzbarkeit 
dieser Glassätze mit sich brachte, überwand, zur Fabrikation eines 
widerstandsfähigeren ,* sich längere Zeit auch auf der Obei de e ganz 
unverändert haltenden Glases. 
Neuerdings hat E. Siegwart *) Untersuchungen über das Er 
blinden angestellt und folgende Resultate erhalten, durch welche die 
i) R. Weber, Verhandl. d. Ver. z. Beförd. d. Gewerbefl. in J’ ieu8a - 
131. Wagn.Jahresber. 1863. 391. “) Benrath, Wagn. Jahiesber 186 . 
*) Siegwart, Dingl. pol. J. CCV, 39. Wagn. Jahresber. 1872, 404.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.