Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

üeber  Zusammensetzung  und  Darstellung  des  Glases.  711
Durch  die  Färbung,  welche  der  Schwefel  dem  Glase  ertheilt,  erklärt ­
  Pelouze 1 )  die  auffallende  Erscheinung,  dass  Gläser  bei  längerer ­
  Einwirkung  des  Sonnenlichtes  gelb  werden,  auf  einfache  Weise.
Jede  Glassorte  des  Handels,  selbst  die  weisseste,  zeigt  in  dicken  Schichten ­
  eine  grünliche  Färbung,  welche  dem  vorhandenen  Eisenoxydul
zuzuschreiben  ist.  Da  nun  gleichzeitig  Alkalisulfat  vorhanden  ist,  so
vollzieht  sich  unter  dem  Einflüsse  des  Sonnenlichtes  eine  Eeduction  des
Sulfates  zu  Sulfür,  welches  die  gelbe  Färbung  bewirkt.  Verstärkt  wird
die  Intensität  derselben  noch  dadurch,  dass  das  gebildete  Eisenoxyd
das  Glas  weniger  grün  zu  färben  im  Stande  ist,  als  die  äquivalente
Menge  Oxydul.  Das  umgekehrte  Verhalten  solcher  gelb  gewordenen
Gläser  beim  Erhitzen  bis  zur  beginnenden  Rothgluth,  d.  h.  die  Annahme ­
  der  ursprünglichen  Farbe,  ist  dann  ein  einfacher  Oxydationsprocess
  des  vorher  vorhanden  gewesenen  Sulfüres  auf  Kosten  des  Eisenoxydes. ­
  Gleichzeitig  erklärt  diese  Iteaction  die  von  Splittgerber
beobachtete  Erscheinung,  dass  das  durch  Kohle,  Schwefel  oder  andere
reducirende  Substanzen  erzeugte  gelbe  Glas  beim  Erhitzen  sich  nicht
entfärbt,  denn  es  kann  neben  dem  Sulfür  in  diesem  Falle  nur  Eisenoxydul ­
  zugegen  sein,  eine  Oxydation  also  nicht  eintreten.
Auf  ähnliche  Weise  wie  das  Gelbwerden  glaubt  Pelouze  2 )  die
von  Faraday  1824  zuerst  beobachtete  Erscheinung,  dass  farbloses  Glas
bei  längerer  Einwirkung  des  Sonnenlichtes  zuweilen  violett  wird,  erklärenzukönnen. ­
  Indem  er  annimmt,  dass  durch  Zusatz  von  Biaunstein
als  Entfärbungsmittel  zu  eisenoxydulhaltigem  Glase  schwächer  färbendes ­
  Eisenoxyd  und  farbloses  Manganosilicat  entsteht,  schliesst  er,  dass
die  durch  das  Sonnenlicht  bewirkte  Violettfärbung  auf  einer  Oxydation
des  Manganosilicates  zu  Manganisilicat  und  der  Eeduction  des  Eisenoxydes ­
  zu  Oxydul  beruht.  Bei  der  Entfärbung  des  violetten  Glases
durch  Erhitzen  zur  Rothgluth  geht  dann  der  nämliche,  bereits  erläuterte ­
  Oxydationsprocess,  wie  bei  dem  Einschmelzen  des  Glassatzes
vor  sich.  Anderer  Ansicht  ist  Bontemps  3 ).  Schon  1867  weist  er
darauf  hin,  dass  möglicherweise  das  Manganoxyd  eine  Rolle  bei  der
Gelbfärbung  spiele.  Gestützt  auf  die  Erfahrung,  dass  von  ihm  fih
Fresnel  aus  Natronkalkglas  gefertigte,  durch  Braunstein  entfärbte
Linsen  für  Leuchtthürme  nach  kurzer  Zeit  durch  das  Licht  gelb  winden, ­
  während  solche  ohne  Manganzusatz  unverändert  blieben,  glaubt
Bontemps  dem  Manganoxyd  den  gelbfärbenden  Einfluss  zuschreiben
zu  müssen.  Seine  Erfahrungen  haben  ihm  ferner  gezeigt,  dass  nur  die
Kaligläser  die  Eigenschaft  besitzen,  am  Lichte  violett  zu  werden,  während ­
  Natrongläser  sich  gelb  färben.

1)  Pelouze,  Wagn.  Jaliresber.  1867,  352.  2 )  Pelouze,  Wagn.  Jahresber.
  1867,  355.  3 )  Bontemps,  Compt.  rend.  CXIA T ,  228;  Dingt,  pol.  J.
CLXXXIV,  324;  Wagn.  Jahresber.  1867,  357.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.