Ueber Zusammensetzung und Darstellung des Glases. 713
licht findet wiederum eine Oxydation des Manganoxyduls statt und diese
bewirkt die Herstellung der ursprünglichen Farbe. Schliesslich macht
Flagey noch auf die Anwendung von Nickel an Stelle von Mangan
aufmerksam. Durch Nickeloxydul erzielt man eine gleichbleibendere
Färbung, freilich spielt die dadurch hervorgerufene Nuance leicht ins
Bräunliche und verleiht dem Glase ein düsteres Aussehen.
Fabrikation des Glases.
Was nun den eigentlich praktischen Theil der Darstellung des
Glases anbetrifft, so bemerkt man in neuerer Zeit zunächst das Bestre
ben, billigere Materialien als Flussmittel, also als F.rsatz der Alkalien
einzuführen. Einmal sind es Barytverbindungen, ein anderes Mal
Fluorsalze, welche letztere, so lästige Abfälle sie auch bei der Kryolithsoda-
fabrikation sind, in der Glasindustrie doch eine wichtige Rolle spielen.
Betreffs der Einführung des Barytes in der Form von kohlen
saurem und schwefelsaurem Barium finden sich folgende Notizen:
Einige Hütten Frankreichs und Belgiens sollen schon früher Schwer
spat!) verarbeitet haben, doch sind die Mittheilungen darüber ziemlich
dürftig. Peligot 1 ) erwähnt zwar einige in St. Gobain ausgeführte
Versuche zur Herstellung eines alkalifreien Barytglases mittelst künst
lichen kohlensauren Bariums, macht aber keine näheren Mittheilun
gen, sondern spricht nur die Ansicht aus, dass das kohlensaure Barium
sich möglicherweise als Flussmittel Eingang verschaffen werde.
P. Flamm 2 ) theilt mit, dass auch Schwerspath vielfach Verwen
dung finde und dass der Zusatz bis auf 15 p. C. von der Sandmenge ge
steigert, der von Natriumsulfat aber um 7 p. C. verringert werden könne.
Je an ne 3 ) giebt zwar Glassätze aus schwefelsaurem Barium an,
1 Benrath bezweifelt jedoch deren erfolgreiche Anwendung in der
Praxis.
Am eingehendsten hat Benrath 4 ) die Verwendbarkeit des Barytes
durch praktische Versuche und wissenschaftliche Untersuchungen studirt
und seine Resultate in einer Broschüre veröffentlicht. Hiernach lassen
sich Gläser, deren Zusammensetzung den Formeln Na 2 BaSicOi4 resp.
K. 2 Ba Si c Oh nahezu entspricht, welche also dem guten Tafelglas des
Handels analog zusammengesetzt sind, sowohl aus kohlensaurem als
aus schwefelsaurem Barium hersteilen. Sie schmelzen leichter, haben
ein höheres Volumgewicht und einen grösseren Glanz als die Alkali-
i) peligot, Annal. d. Conserv. 1862, 441. Benrath, Barytgläser 7.
2 ) P. Flamm, Verrier d. XIX, siede 1863, 51. Benrath, Barytgläser 8.
S) Jeanne, Monit. scientif. 1868, 1042. D. Industr. Ztg. 1861, 519. Wagn.
Jahresber. 1868, 369. 4 ) H. E. Benrath, Beiträge z. Chem. d. Glases
Dorpat, C. Mattiesen 1871.