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Gruppe III. Chemische Industrie.
kalkgläser. Die Annahme, dass man in den Glassätzen der gesammten
Menge der Alkalien Barytverbindungen substituiren könne, welcher
man namentlich früher häufig begegnete, hat dagegen Benrath nicht
vollkommen bestätigt gefunden. (Vergl. auch S. 528 d. Ber.)
Das z. B. von Peligot erwähnte in St. Gobain fabricirte und
von Benrath nochmals dargestellte und untersuchte Glas, dessen Zu
sammensetzung durch die Formel Ca 2 Ba Si u 0 15 ausgedrückt wird , er
wies sich zwar leicht schmelzbar, hatte ein hohes Volumgewicht, besass
aber wie ^die Alkalibleigläser die Neigung, streifig zu werden und
erwies sich wenig widerstandsfähig bei der Einwirkung chemischer
Agentien. Schon verdünnte Salzsäure z. B. entzog dem Glase nach
kurzer Zeit sehr beträchtliche Mengen Baryt. Diese letztere Eigenschaft
zeigten alle untersuchten Gläser dieser Art. Setzte man mehr Kiesel
säure hinzu, als es das Bisilicat R" Si 0 3 verlangt, so entstanden
Schwierigkeiten in der Herstellung; das Glas wurde zu schwerschmelz
bar und blieb immer streifig. Der Baryt ist danach nicht geeignet, die
Alkalien vollständig bei der Glasfabrikation zu ersetzen.
Endlich untersuchte Benrath 4 ) auch die Alkalikalkbarytgläser
(halbkrystallähnlich) von Neuem. Er glaubt diesen Sorten als
billigen Vertretern der leichteren Krystallsorten ein günstiges Pro
gnostiken stellen zu können. Die Gläser von der Zusammensetzung
Na 2 Ca Ba Si 9 0 21 sind zwar etwas schwerer schmelzbar als Alkalikalk
gläser, entglasen aber selbst bei langsamem Abkühlen nicht und sind
unempfindlich gegen Rauch, welche vortheilhafte Eigenschaft die blei
haltigen Gläser nicht besitzen. Weder durch Verminderung des Alkali
gehaltes noch durch Erhöhung des Alkali-, Baryt- oder Kalkgehaltes
konnten brauchbare Gläser erhalten werden. Es ist somit der Baryt
zusatz an gewisse Grenzen gebunden.
Wie schon angedeutet, versuchte man, auch die lästigen Neben-
producte der Kryolithsodaindustrie bei der Glasfabrikation in geeigneter
Weise zu verwerthen.
Combe u. V right 2 ) empfehlen Kieselfluorcalcium und Kiesel
fluorbarium als Ersatz des Kalkes und Kieselfluorkalium als Ersatz
der Pottasche, welche Vorschläge jedoch F.Stolba 3 ) wegen der lästigen
Entwickelung von Fluorsilicium für ungeeignet hält; E. Richters 4 )
dagegen befürwortet die Anwendung des Fluorcalciums. Die Resultate,
welche er mit demselben auf einer schlesischen Hütte erzielt hat, sind
sehr beachtenswerth. Er ersetzte nicht nur den Kalk vollständig durch
Fluorcalcium, sondern fand auch, dass man bei Anwendung desselben
„ Benrath, Glashütte 1872, No. 16. 61. Wagn. Jahresbev. 1872, 395.
2 ) Combe und Wright, Gen. industr. 1864. Janv. 50. Wage. Jahresber.
1864, 310. 3) F Stolba, J. f. prakt. Cliem. IVC, 54. Wagn. Jahresber!
1865, 420. 4 ) E. Bichters, Dingl- pol. J. CXCI 301. Wagn. Jahresber
1869, 333.