Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

718

Gruppe  III.  Chemische  Industrie.
Interessant  ist  ein  von  Kuhlmann 1 )  zuerst  angegebenes  Verfahren, ­
  Glasplatten  mit  eisblumenartigen  Verzierungen  zu  versehen.
Kuhlmann  benutzt  für  diesen  Zweck  concentrirte  Salzlösungen
(Lösungen  von  Zinkvitriol  oder  Bittersalz),  welche,  wenn  man  sie,  mit
etwas  Dextrin  vermischt,  in  einer  dünnen  Schicht  auf  Glasscheiben  aufträgt, ­
  beim  langsamen  Verdunsten  eisblumenartige,  sehr  fest  am  Glase
haftende  Krystallgruppen  absetzen.  Um  letztere  besser  zu  fixiren,  giebt
man  den  Platten  wohl  einen  Schellacküberzug.  Ja  man  hat  sich  bemüht, ­
  derartige  Verzierungen  dauernd  auf  Glasscheiben  zu  erzeugen.
Nach  R.  Böttcher 2 )  verfährt  man  dabei  in  der  ScheH’schen
Glashütte  in  Offenburg  in  der  Weise,  dass  man  die  fraglichen  Scheiben
mit  einer  dünnen  Schicht  Emailpulver  überzieht  und  dann  in  einen  auf
—  8°  C.  abgekühlten  mit  Wasserdampf  gesättigten  Raum  bringt,
wodurch  auf  der  Scheibe  Eisblumen  entstehen.  Das  beim  Gefrieren  des  *
Wassers  mechanisch  mitgerissene  Emailpulver  nimmt  die  Gestalt  der
Blumen  an.  Durch  Einbrennen  in  einer  Muffel  werden  dieselben  dann
dauernd  fixirt.
Eine  andere  Art  der  Verzierung  der  Gläser  wird  durch  Aetzen
hergestellt,  worüber  einige  Worte  Platz  finden  mögen:
Tessie  du  Mothay  und  Marechal  3 )  wenden  zu  decorativen
Zwecken  ein  Bad  aus  Fluorwasserstoff-Fluorkalium,  Salzsäure  und
schwefelsaurem  Kalium  an.  Letzteres  Salz  dient  zum  Unlöslichmachen
des  Fluorbleies  resp.  des  Fluorcalciums.
Kessler  4 )  empfiehlt,  indem  er  sich  über  die  Methoden  des  Mattätzens ­
  verbreitet,  eine  Tipte  zum  Mattschreiben  auf  Glas.  Als  Aetzmittel
  wirkt  Fluorammonium.
Liesegang  5)  beschreibt  das  Siegwart’sche  Verfahren,  unter
Anwendung  von  Flussspathpulver  Photographien  auf  Glas  zu  ät2en
Nach  der  Methode  von  Weiskopf«)  wird  das  Gemenge  von  Flussspathpulver ­
  und  Schwefelsäure  direct  auf  die  Glasplatte  an  den  zu  ätzenden
Stellen  aufgetragen,  und  die  Wirkung  der  Flusssäure  durch  gelindes
Erwärmen  beschleunigt.
An  dieser  Stelle  durfte  wohl  auch  noch  eine  Notiz  über  die  Verwendung ­
  des  Glases  als  Gespinnstfaser  gestattet  sein,  welche  Brunfaut 7 )
giebt.  Derselbe  stellt  Glasfäden  in  der  Dicke  von  0'006  bis  O'012  mm
her  und  ist  imStande,  dieselben  nicht  allein  glatt  zu  verweben,  sondern

J)  V 3 o Öt ^' hel \ I)illgl -  P0L  CLXX[V ’  84 ‘  Wagn.  Jahresber.  1804,
013.  ß.  Böttcher,  Wagn.  Jahresber.  1866,  321,  3)  Tessi<5  du
Mothay  u.  Marächal,  Compt.rend,  LXII,  301.  Ding],  pol  J  CLXXXVII
217.  Wagn.  Jahresber.  1866,  320.  R  Kessler,  Dingl.  pol.  J.  CDXXXv’
lll'  AVa I n ;' Iahr f ber -  18fi7 >  359.  6)  Liesegang,  Wagn.  Jahresber.  186s’
^erskopf  Dingt  pol.  J.  CCVI,  469.  Wagn.  Jahresber.  1873,
4b9.  •)  Brunfaut,  Wagn.  Jaliresber.  1868,  391
\
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.