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MAK

Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

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Gruppe  III.  Chemische  Industrie.
Das  rückbleibende  Grün  wird  getrocknet  und  in  dieser  Form  in  den
Handel  gebracht.  Nach  den  Analysen  von  Shipton 1 ),  der  verschiedene ­
  Sorten  dieses  Grüns  untersuchte,  welche  in  der  Fabrik  vonKestner
  in  Thann  bereitet  waren,  und  darin  im  Durchschnitt  neben
76 - 47  p.  C.  Chromoxyd  1D43  p.  C.  Wasser  und  12'10  p.  C.  Borsäure
fand,  scheint  dieses  Grün  ein  basisches  wasserhaltiges  Chromoxydsalz
der  Borsäure  zu  sein.  Wichtige  Aufschlüsse  über  die  Natur  desGnignet’schen
  Grüns  brachten  die  Untersuchungen  von  Scheurer-Kestner
 2 ).  Er  zeigte,  dass  die  Gegenwart  der  Borsäure  in  dem  fertigen
Producte  unwesentlich  ist.  Es  gelang  ihm,  wenngleich  auf  Umwegen,
sämmtliche  Borsäure  zu  entfernen,  und  er  erhielt  ein  Oxyd  von  der
Formel:  2  Cr 2  0 3 ,  3  H 2  0,  welches  in  allen  seinen  äusserlichen  Eigenschaften ­
  mit  dem  borsäurehaltigen  Handelsproducte  übereinstimmte.
Nach  den  Versuchen  von  Scheurer-Kestner  bildet  sich  beim  Zusammenschmelzen ­
  von  Kaliumbichromat  und  Borsäure  zunächst  ein
wasserfreies  borsaures  Salz,  das  dann  später  in  Berührung  mit  Wasser
unter  Wärmeentwickelung  zerfällt.  Der  Verlauf  des  Processes  ist
durch  folgende  Gleichung  ausgedrückt:
16  (H ;i  Bo  0 3 )  +  K 2  Cr 2  0 7  =  Cr 2  (Bo 4  0 7 ) 3  +  K 2  Bo 4  0 7  +  24  H 2  0  -f  3  0.
Nach  späteren  Versuchen  vou  Scheurer-Kestner  ist  zur  Bildung ­
  des  Grüns  ein  Alkali  nicht  nothwendig.  Man  kann  an  Stelle  des
Bichromats  die  Chromsäure,  ja  selbst  Chromoxydhydrat  nehmen.  Das
gebildete  Product  ist  stets  mit  dem  Guignet’schen  Grün  identisch.
Das  gebildete  Chromoxydborat  zerfällt,  mit  Wasser  zusammengebracht,
(ebenso  wie  das  borsaure'  Eisenoxyd  und  die  borsaure  Thonerde)  in
Hydrat  und  freie  Borsäure.  Das  Alkali  im  Kaliumbichromat  hat  nur
die  Function,  mit  der  Borsäure  verbunden,  das  Schmelzen  der  Masse
zu  befördern.
Auf  der  Weltausstellung  in  London  war  neben  den  von  Kestner
in  Thann  ausgestellten  schönen  Proben  des  Guignet’schen  Grüns
auch  ein  von  Meyer  in  Augsburg  dargestelltes  Grün  unter  dem  Namen
Mittler’s  Grün  vertreten.  Nach  dem  Berichte  von  A.  W.  Hofmann
soll  dasselbe  aber  mit  Guignet’s  Grün  identisch  sein.
Der  grosse  Absatz,  den  Guignet’s  Grün  im  Handel  fand,  veranlasste
  eine  grosse  Anzahl  von  Nachahmungen.  Arnaudon’s 3 )  Grün
wird  erhalten,  indem  man  128  Thle.  krystallisirtes  neutrales  Ammoniumphosphat ­
  und  149  Thle.  Kaliumbichromat  innig  mischt,  und  die
erhaltene  Mischung  auf  170  bis  180  0  erhitzt.  Es  entweicht
Wasser,  Stickstoff  und  etwas  Ammoniak,  welches  der  Reaction  entgeht.

A.  W.  Hofmann,  Reports  by  the  Juries  1863,  75.  2 )  Scheurer-Kestner,
  Bull.  soc.  chim.  1865,  23;  Dingl.  pol.  J.  CLXXVI,  386.  Wagn.
Jahreaber.  1865,  380.  s )  J.  Arnaudon,  Tecbnologiste,  Juillet  1859,  522.
Wagn.  Jahresber.  1859,  268.
            
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