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Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

Ueber  Chromverbindungen.  739
Nach  dem  Erkalten  laugt  man  die  Masse  mit  Wasser  aus  und  erhält
so  ein  schönes  Grün,  welches  wahrscheinlich  ein  basisches  Chromoxydsalz ­
  der  Pyro-  oder  Metaphosphorsäure  ist.
Matthieu-Plessy’s  *)  Grün  enthält  neben  Chromoxyd  ebenfalls
Phosphorsäure  und  wechselnde  Mengen  von  Calciumphosphat.  Es
wird  dargestellt,  indem  man  in  10  Kg  siedenden  Wassers  1  KgKaliumbichromat
  löst,  3  Liter  Calciumphosphat  und  darauf  1'25  Kg  Farinzucker ­
  zusetzt.  Es  entsteht  nach  einiger  Zeit  eine  lebhafte  Gasentwickeluug,
  welche  man  durch  Uebergiessen  des  Schaumes  mässigt.
Nach  V  erlauf  von  24  Stunden  hat  sich  der  grüne  Farbstoff  abgesetzt,
der  durch  Decantiren  und  Auswaschen  gereinigt  wird.  Man  erhält
2’5  Kg  des  Productes  aus  einer  Operation.  G.  Köthe 2 )  hat  aus  Veranlassung ­
  einer  Preisfrage  des  polytechnischen  Vereins  in  Carlsruhe  eine
Untersuchung  über  Plessy’s  Grün  ausgeführt.  Die  Aufgabe  lautete:
„Die  Vorschrift,  welcheMatthieu-Plessy  zur  Erzeugung  einer  grünen
Chromfarbe  giebt,  ist  unklar.  Seine  Angaben  sind  zu  präcisiren,  und
es  ist  festzustellen,  ob  aus  den  von  ihm  benutzten  Rohmaterialien  eine
grüne  Farbe  von  einfacher,  vielleicht  durch  eine  chemische  Formel
ausdrückbaren  Zusammensetzung  zu  erhalten  ist.“  Die  Vorschrift  ist
deshalb  unklar,  v&il  Plessy  nicht  sagt,  was  er  mit  Calciumphosphat
bezeichnet.  In  Folge  angestellter  Versuche  schliesst  Köthe,  dass
unter  Calciumphosphat  eine  Auflösung  von  Calciumjshosphat  in  Salzsäure ­
  zu  verstehen  ist,  und  dass  man  von  dieser  Lösung  eine  genügende
Menge  anwenden  muss,  um  alles  Chromoxyd  an  Phosphorsäure  binden
zu  können.  Die  unter  diesen  Verhältnissen  erhaltene  Farbe  ist  von
keiner  constanten  Zusammensetzung,  sie  besteht  aus  einem  veränderlichen ­
  Gemische  von  Chromphosphat  mit  Calciumphosphat,  welches
unter  Umständen  auch  Kaliumphosphat  und  Chromoxydhydrat  enthält.
Einfache  Molecularverhältnisse  finden  zwischen  den  die  Farben  bildenden ­
  Salzen  nicht  statt.  Wie  erwähnt,  bekommt  man  die  feurigste
hellgrüne  Farbe,  wenn  man  möglichst  dahin  wirkt,  das  sämmtliche
Chromoxyd  an  Phosphorsäure  zu  binden.  Wenn  die  Phosphorsäure
von  dem  Calciumsalze  genommen  wird,  so  tritt  immer  eine  bedeutende
Menge  von  Calciumphosphat  mit  in  die  Farbe  ein.  Es  wurde  versucht,
ein  intensiver  gefärbtes  Product  zu  erhalten,  indem  unter  sonst  gleichen
Umständen  statt  der  Lösung  von  Calciumphosphat  eine  solche  von
Phosphorsäure  benutzt  wurde.  Die  Mischung  von  Kaliumbiehromat,
Zucker  und  Phosphorsäure  gestand  beim  Erwärmen  nach  der  Reduction
der  Chromsäure  zu  einer  Gallerte,  die  zu  einer  schwarzgrünen  Masse
emtrocknete.  Löste  man  aber  diese  Gallerte  in  wenig  Salzsäure  und
versetzte  die  Lösung  mit  Kalium-  oder  Calciumcarbonat,  so  entstanden,

*)  M.  Plessy,  Röp.  cliim.  appl.  1862,  453.  Wagn.  Jahresber.  1862,  336.
S )  G.  Köthe,  Ding],  pol.  J.  CCXIV,  59.  Wagn.  Jahresber.  1874,  469.
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