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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
zwei neuen Säuren, den Phosphorwolframsäuren, erhalten und aus die 
sen durch Zersetzung des Bariumsalzes mittelst Schwefelsäure die Säu 
ren selbst als gut charakterisirte Verbindungen von sehr complicirter 
Zusammensetzung (Hjr, P Wn 0 43 -j- 18 il 2 O und H u PWio03 8 4~ 8H 2 0) 
dargestellt. Diese Säuren, besonders die letztere, erscheinen wichtig 
wegen ihres ausgezeichneten Verhaltens gegen organische Basen. Aus 
Flüssigkeiten, welche z. B. V200000 Strychnin oder Viooooo Chinin ent 
halten, werden die Basen noch deutlich niedergeschlagen. Zur Ab 
scheidung und Beindarstellung von organischen Basen lassen sich die 
Säuren nicht ohne Weiteres anwenden, da Farbstoffe, leim- und pepton 
artige Körper und etwas Kalisalze mitgefällt werden. Durch fractio- 
nirte Fällung lassen sich die Basen jedoch ziemlich rein erhalten, da 
die ersten Niederschläge alle Farbstoffe u. s. w. enthalten. Die nieder 
geschlagenen Verbindungen der Basen mit der Phosphorwolframsäure 
werden durch Kalk zersetzt, wobei sich unlösliches phosphorwolfram 
saures Calcium bildet, während die Basen frei werden. Scheibler hat 
nach dieser Methode aus Kübenzuckermelasse eine neue interessante 
organische Basis, das Betain, abgeschieden. Die Phosphorwolframsäuren 
dürften möglicherweise für gerichtlich-chemische Untersuchungen und 
auch als Gegengift in Vergiftungsfällen mit organischen Basen werth 
volle Anwendung finden. 
Der Vollständigkeit wegen mag noch eine vor längerer Zeit von 
Eiche 1 ) publicirte Beobachtung erwähnt werden. Schmilzt man 
Schwefel mit saurem wolframsaurem Kalium oder Natrium und laugt 
die Masse mit Wasser aus, so bleibt Schwefelwolfram (WS 2 ) von bläu 
lich schwarzer Farbe in weichen und sehr feinen Krystallen zurück, 
welche auf Papier oder der Hand wie Graphit abfärben und sich unter 
mässigem Druck vereinigen lassen. Es dürfte dieser Körper vielleicht 
als Surrogat für den Graphit für Zwecke der Bleistiftfabrikation und 
Galvanoplastik Verwendung finden können. 
Wolframfarben. Das Wolfram bildet eine grosse Zahl ver 
schiedenartig gefärbter Verbindungen, welche durch ihre Beständigkeit 
gegen atmosphärische Einflüsse und andere Keagentien ausgezeichnet 
sind; vielfach hat man versucht, diese Körper als Farben zu verwenden, 
jedoch, im Allgemeinen, ohne günstigen Erfolg. Durch besondere 
Schönheit ausgezeichnet sind die unter dem Namen „Wolframbronzen“ 
bekannten Verbindungen von wolframsaurem Natrium resp. Kalium 
mit wolframsaurem Wolframoxyd; sie erregten bereits auf der Lon 
doner 'Ausstellung, auf der sie in ausgezeichnet schöner Qualität und 
zu einem verhältnissmässig billigen Preise unter dem Namen Safran- 
irnd Magentabronze ausgestellt waren, die allgemeine Aufmerksamkeit. 
R. Wagner empfahl zuerst, diese Körper als Bronzefarben in derBunt- 
x ) Riehe, Ann. chim. phys. [3], L, 26.
	        
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