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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

Eisen. 
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Kohlenstoffgehalt haben und von übersetztem Gange herrühren; bei 
dem grauen Roheisen endlich hält sich die Summe gleichfalls zwischen 
3 und 4 p. C. 
Wären Eisen und Kohlenstoff im Roheisen als Gemenge und 
nicht chemische Verbindung vorhanden, so müssten häufig solche Sor 
ten Vorkommen, die einen viel höheren Kohlenstoffgehalt, z. B. 8 bis 
12 p. C., besässen; da aber der Kohlenstoff eine Maximalgrenze hat, so 
muss nothwendig das Eisen eine Grenze der Sättigung mit Kohlenstoff 
besitzen, von dem es dann nicht mehr aufzunehmen vermag. Der im 
Eisen vorhandene ß-Kohlenstoff oder Graphit ist niemals direct aus 
dem Kohlenstoffe des Brennmaterials, sondern immer durch Vermitte 
lung des Eisens aus Kohlenstoffeisen, durch Zersetzung desselben ent 
standen. Es müssen daher im Roheisen nothwendig ein oder mehrere 
Kohle - Eisen - Verbindungen vorhanden sein, welche genau festzustellen 
nicht so schwer sein würde, wenn es möglich wäre, reines Roheisen 
darzustellen, das nur aus Eisen und Kohlenstoff bestände. Die weiter 
oben angeführten anderen Körper verdunkeln aber die Rolle, welche 
der Kohlenstoff in diesen Verbindungen spielt, da man nicht mit 
Bestimmtheit nachweisen kann, ob und in welchen Verhältnissen die 
elektropositiven Substanzen das Eisen und die elektronegativen den 
Kohlenstoff vertreten. Aus dem oben Mitgetheilten geht hervor, dass 
es Verbindungen von Fe.jSi, Fe4Si, Fe2P, Fe 4 P giebt, ebenso kennt 
man solche von Fe 2 S, Fe 4 S undFe 8 S, doch welche von ihnen in 
jedem Falle neben den Kohle-Eisen-Verbindungen vorhanden sei, ist 
nur hypothetisch aufzustellen. Es ist einleuchtend, dass davon ganz 
wesentlich die Proportion zwischen Eisen und Kohlenstoff beeinflusst 
wird. 
Bei Betrachtung dieser Proportion muss man sich auch der 
Bildungsweise des Roheisens' im Hohofen erinnern. Mit einem Theile 
des aus dem Eisenoxyde regulinisch abgeschiedenen Metalles vereinigen 
sich Schwefel, Phosphor, Arsen u. s. w., während der grösste Theil 
desselben Kohlenstoff aufnimmt, bis es den Sättigungsgrad erreicht 
hat. Ehe dieses geschehen, muss das Metall durch die Stadien niedrigerer 
Verbindungsstufen hindurchgegangen sein, und wenn es in einem sol 
chen vor die Formen kommt und geschmolzen wird, so entsteht noth 
wendig ein ungaares, kohlenstoffarmes, weisses oder auch graues 
Roheisen. Das erstere ist z. B. der Fall bei übersetztem Gange, wie 
zu Ilsede und Luxemburg; das letztere tritt ein bei abnormem Ofen 
gange, bei dem zwar hohe Ofentemperatur, aber eine ungenügende 
Vorbereitung, in Folge von Betriebsstörungen, Kippen der Gichten u. s. w. 
stattgefunden hat, wie bei dem mit rohen Steinkohlen erblasenen 
grauen Roheisen f. und g. von Königshütte und dem weiter unten zu 
erwähnenden, ungaaren, krystallisirten Eisen von Freisenbrucher 
Hütte. Hat dagegen das Eisen Gelegenheit hinreichende Zeit im Ofen 
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