Eisen.
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Kohlenstoffgehalt haben und von übersetztem Gange herrühren; bei
dem grauen Roheisen endlich hält sich die Summe gleichfalls zwischen
3 und 4 p. C.
Wären Eisen und Kohlenstoff im Roheisen als Gemenge und
nicht chemische Verbindung vorhanden, so müssten häufig solche Sor
ten Vorkommen, die einen viel höheren Kohlenstoffgehalt, z. B. 8 bis
12 p. C., besässen; da aber der Kohlenstoff eine Maximalgrenze hat, so
muss nothwendig das Eisen eine Grenze der Sättigung mit Kohlenstoff
besitzen, von dem es dann nicht mehr aufzunehmen vermag. Der im
Eisen vorhandene ß-Kohlenstoff oder Graphit ist niemals direct aus
dem Kohlenstoffe des Brennmaterials, sondern immer durch Vermitte
lung des Eisens aus Kohlenstoffeisen, durch Zersetzung desselben ent
standen. Es müssen daher im Roheisen nothwendig ein oder mehrere
Kohle - Eisen - Verbindungen vorhanden sein, welche genau festzustellen
nicht so schwer sein würde, wenn es möglich wäre, reines Roheisen
darzustellen, das nur aus Eisen und Kohlenstoff bestände. Die weiter
oben angeführten anderen Körper verdunkeln aber die Rolle, welche
der Kohlenstoff in diesen Verbindungen spielt, da man nicht mit
Bestimmtheit nachweisen kann, ob und in welchen Verhältnissen die
elektropositiven Substanzen das Eisen und die elektronegativen den
Kohlenstoff vertreten. Aus dem oben Mitgetheilten geht hervor, dass
es Verbindungen von Fe.jSi, Fe4Si, Fe2P, Fe 4 P giebt, ebenso kennt
man solche von Fe 2 S, Fe 4 S undFe 8 S, doch welche von ihnen in
jedem Falle neben den Kohle-Eisen-Verbindungen vorhanden sei, ist
nur hypothetisch aufzustellen. Es ist einleuchtend, dass davon ganz
wesentlich die Proportion zwischen Eisen und Kohlenstoff beeinflusst
wird.
Bei Betrachtung dieser Proportion muss man sich auch der
Bildungsweise des Roheisens' im Hohofen erinnern. Mit einem Theile
des aus dem Eisenoxyde regulinisch abgeschiedenen Metalles vereinigen
sich Schwefel, Phosphor, Arsen u. s. w., während der grösste Theil
desselben Kohlenstoff aufnimmt, bis es den Sättigungsgrad erreicht
hat. Ehe dieses geschehen, muss das Metall durch die Stadien niedrigerer
Verbindungsstufen hindurchgegangen sein, und wenn es in einem sol
chen vor die Formen kommt und geschmolzen wird, so entsteht noth
wendig ein ungaares, kohlenstoffarmes, weisses oder auch graues
Roheisen. Das erstere ist z. B. der Fall bei übersetztem Gange, wie
zu Ilsede und Luxemburg; das letztere tritt ein bei abnormem Ofen
gange, bei dem zwar hohe Ofentemperatur, aber eine ungenügende
Vorbereitung, in Folge von Betriebsstörungen, Kippen der Gichten u. s. w.
stattgefunden hat, wie bei dem mit rohen Steinkohlen erblasenen
grauen Roheisen f. und g. von Königshütte und dem weiter unten zu
erwähnenden, ungaaren, krystallisirten Eisen von Freisenbrucher
Hütte. Hat dagegen das Eisen Gelegenheit hinreichende Zeit im Ofen
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