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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

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Gruppe HI. Chemische Industrie. 
an den zu härtenden Stellen mit einer Paste von metallischem Antimon 
oder Arsen ausgestrichen werden, doch ist über die Art ihrer chemi 
schen Einwirkung auf das Eisen nichts bekannt. Die Räder zeigten 
eine Härtung von 3 bis 4 Linien Dicke. Eine solche soll auch dadurch 
erzielt werden, dass man graues Roheisen in der Kirschglühhitze mit 
einem Pulver von 1 Thl. Cyankalium und 1 Thl. Holzkohle bestreut, 
nochmals erhitzt und dann in einem Wasserbade ablöscht, das in 
1000 Thln. 32 Schwefelsäure, 5 Salmiak und 7’5 Kochsalz enthält. 
Der hämmerbare Guss hat in den letzten zwölf Jahren eine sehr 
verbreitete Anwendung gefunden, und es wird zu Remscheid und So 
lingen besonders lichtgraues Nassauer Holzkohleneisen, von Christians 
hütte, dazu verwendet. Die Darstellung geschieht durch anhaltendes 
Glühen der Gussstücke in geschlossenen Gefässen mit Oxyden, wodurch 
eine theilweise Entkohlung bewirkt wird. Das Verfahren datirt seit 
1804 von Samuel Lucas irr Sheffield, derIlämatitholzkohleneisen von 
Ulverstone 5 bis 6 Tage lang mit Rotheisenstein, Eisenoxyd oder son 
stigen Oxyden und Kalk glühte '). Statt des Eisenoxydes verwendet 
Eaton 2 ) Zinkoxyd und reducirt dadurch die Glühzeit von 8 auf 2 Tage. 
Ein neues Verfahren von Poulet, Nagant & Co. 3 ) besteht darin, 
das zu entkohlende Gussstück längere Zeit in eine leicht schmelzbare 
Schlacke von kieselsaurem Kali oder Natron, die viel Eisenoxyde auf 
gelöst enthält, eingetaucht zu erhalten. Der hämmerbare Guss (fonte 
maUeäble, malleable cast iron) hat ein Volumgewicht von 7'10 bis 7'35, lässt 
sich schmieden, löthen und härten, aber nicht schweissen und nur sehr 
schwer schmelzen. Auf der Ausstellung war er vorzüglich durch die 
Gussstücke von Hardy-Capitaine in Paris, durch Zahnräder, Gitter, 
spiralförmig gebogene Stäbe u. s. w. vertreten. Es ist hier auch 
noch des sehr weichen und schmiedbaren Kanonengusseisens von 
Finspong in Schweden, das von C. Ekman axisgestellt war und mit 
Recht wegen seiner Schmiedbarkeit Aufsehen erregte, zu erwähnen. 
Man vergleiche auch das unter Eigenschaften und Constitution des Roh 
eisens weiter oben über das Kanonenroheisen von Spandau Gesagte. 
Veredelung der Gusswaaren. 
Für das Emailliren von Gusswaren, namentlich Kochgeschirren, 
Röhren u. s. w., sind verschiedene neue Glasuren bekannt geworden. 
Zu Nieverner Hütte bei Ems wird nach Eulenberg 4 ) eine Glasur an 
gewendet, die aus Kieselsäure, Soda, Borax, Magnesia und Thon zu- 
*) Lucas, Mem. de la sociöt^ des ingen. civils. Paris 1863, 317; Berg- 
u. Hüttenmänn. Ztg. 1864, 297. 2 ) Baton: Chem. News 1860, 26; Dingl. 
pol. J. CL'VII, 77. 3 ) Günie industr. 1870, Mars, 148. 4 ) Eulenberg, 
Dingl. pol. J. 1864, 449.
	        
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