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Gruppe III. Chemische Industrie.
schmieden und nähert sich in seiner Weichheit und Ductilität dem
Kupfer, auch kalt lässt es sich gut zu Draht ziehen. Das auf gewöhn
liche Weise im Tiegel geschmolzene Eisen war härter, zeigte oft Facet
ten auf dem Bruche, war weniger ductil und in der Rothgluht nur
schwer auszuziehen. Eine Lamelle davon, im Wasserstoffstrome ge
glüht, gab beträchtlich Wasser und verlor bis 0’5 p. C. an Gewicht;
es hatte also absorbirten Sauerstoff enthalten. Dasselbe Verhalten
zeigt das rothbrüchige verbrannte Eisen, wie es auch im Bessemer
ofen beim Todtblasen der Chargen entsteht (s. unter Bessemerstahl).
Ueber die Einwirkung des Wasserdampfes auf Eisen und des
Wasserstoffes auf Eisenoxyd in der Glühhitze liegen von H. Deville 1 )
interessante Versuche vor. Eisenfeile wurde im Platinschiffchen in einem
Porcellanrohre bei 150, 265, 8G0 und 1040° C. erhitzt und trockener
Wasserdampf darüber geleitet. Schon bei 150° zeigte sich eine Zer
setzung des Wassers, doch wurde die Einwirkung schwächer bei zu
nehmender Temperatur und Tension des Wasserdampfes.
Ueber die chemische Zusammensetzung von alten schmiedeeisernen
und stählernen Geräthen, namentlich von Schwertern und Dolchklingen,
Lanzenspitzen u. s. f., hat E. v. Bibra 2 ) sehr interessante Mittheilungen
gemacht. Es befinden sich darunter 19 römische und 4 griechische
Funde. Bei sieben von ihnen schwankt der ec-Kohlenstoffgehalt zwi
schen 0'05 und 0'25 , sie sind also Weicheisen; bei den Uebrigen steigt
er bis l’30p. C., sie sind also hartes Eisen und Stahl; elf zeigen einen
Kobaltgehalt von zwischen 0'01 und 0’18, was sehr auffallend ist und
darauf hinweist, dass das Rohmaterial aus Spatheisenstein, wahrschein
lich von Brescia und Bergamo in Oberitalien, bestand, der etwas
Kobalterze enthält, ebenso wie der Stahlstein von Siegen und Kams
dorf. Von 18 deutschen Eisenfunden zeigen nur zwei 0'03 und 0'10
Kobalt, dagegen haben sechs unter 0 - 25 «-Kohlenstoff und die übri
gen reichen bis 1'25. Bei 14 Proben ans dem Mittelalter sind alle stahl
artiges Eisen oder Stahl mit bis l'20p.C. reichendem ec-Kohlenstoff
gehalt, während aus der modernen Zeit ein Sägeblatt 1'15 und eine
Uhrfeder 1'45 davon enthielt. Die Arbeit ist sehr beachtenswerth auch
für Archäologen.
Darstellung des Schmiedeeisens.
Ueber den Rennfeuerbetrieb in Bengalen, der auch auf der Aus
stellung seitens der indischen Commission durch Modelle und Producte
illustrirt war, hat E. Stöhr 3 ) ausführliche Mittheilung gemacht.
*) Deville, Compt. rend. LXX, 1105, 1201; Wagn. Jahresber. 1870,
23. 2 ) E. v. Bibra, Alte Eisen- und Silberfunde. Nürnberg 1873, 13,
17,21; Wagn. Jahresber. 1872, 85. 3 ) Stölir, Berg-u. Hüttenm. Ztg. 1863, 17.