MAK

Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

798 
Gruppe III. Chemische Industrie. 
schmieden und nähert sich in seiner Weichheit und Ductilität dem 
Kupfer, auch kalt lässt es sich gut zu Draht ziehen. Das auf gewöhn 
liche Weise im Tiegel geschmolzene Eisen war härter, zeigte oft Facet 
ten auf dem Bruche, war weniger ductil und in der Rothgluht nur 
schwer auszuziehen. Eine Lamelle davon, im Wasserstoffstrome ge 
glüht, gab beträchtlich Wasser und verlor bis 0’5 p. C. an Gewicht; 
es hatte also absorbirten Sauerstoff enthalten. Dasselbe Verhalten 
zeigt das rothbrüchige verbrannte Eisen, wie es auch im Bessemer 
ofen beim Todtblasen der Chargen entsteht (s. unter Bessemerstahl). 
Ueber die Einwirkung des Wasserdampfes auf Eisen und des 
Wasserstoffes auf Eisenoxyd in der Glühhitze liegen von H. Deville 1 ) 
interessante Versuche vor. Eisenfeile wurde im Platinschiffchen in einem 
Porcellanrohre bei 150, 265, 8G0 und 1040° C. erhitzt und trockener 
Wasserdampf darüber geleitet. Schon bei 150° zeigte sich eine Zer 
setzung des Wassers, doch wurde die Einwirkung schwächer bei zu 
nehmender Temperatur und Tension des Wasserdampfes. 
Ueber die chemische Zusammensetzung von alten schmiedeeisernen 
und stählernen Geräthen, namentlich von Schwertern und Dolchklingen, 
Lanzenspitzen u. s. f., hat E. v. Bibra 2 ) sehr interessante Mittheilungen 
gemacht. Es befinden sich darunter 19 römische und 4 griechische 
Funde. Bei sieben von ihnen schwankt der ec-Kohlenstoffgehalt zwi 
schen 0'05 und 0'25 , sie sind also Weicheisen; bei den Uebrigen steigt 
er bis l’30p. C., sie sind also hartes Eisen und Stahl; elf zeigen einen 
Kobaltgehalt von zwischen 0'01 und 0’18, was sehr auffallend ist und 
darauf hinweist, dass das Rohmaterial aus Spatheisenstein, wahrschein 
lich von Brescia und Bergamo in Oberitalien, bestand, der etwas 
Kobalterze enthält, ebenso wie der Stahlstein von Siegen und Kams 
dorf. Von 18 deutschen Eisenfunden zeigen nur zwei 0'03 und 0'10 
Kobalt, dagegen haben sechs unter 0 - 25 «-Kohlenstoff und die übri 
gen reichen bis 1'25. Bei 14 Proben ans dem Mittelalter sind alle stahl 
artiges Eisen oder Stahl mit bis l'20p.C. reichendem ec-Kohlenstoff 
gehalt, während aus der modernen Zeit ein Sägeblatt 1'15 und eine 
Uhrfeder 1'45 davon enthielt. Die Arbeit ist sehr beachtenswerth auch 
für Archäologen. 
Darstellung des Schmiedeeisens. 
Ueber den Rennfeuerbetrieb in Bengalen, der auch auf der Aus 
stellung seitens der indischen Commission durch Modelle und Producte 
illustrirt war, hat E. Stöhr 3 ) ausführliche Mittheilung gemacht. 
*) Deville, Compt. rend. LXX, 1105, 1201; Wagn. Jahresber. 1870, 
23. 2 ) E. v. Bibra, Alte Eisen- und Silberfunde. Nürnberg 1873, 13, 
17,21; Wagn. Jahresber. 1872, 85. 3 ) Stölir, Berg-u. Hüttenm. Ztg. 1863, 17.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.