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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
Bei demselben fand die Reduction zuerst in einem Reduetionscylinder 
mit äusserer Erhitzung, dann in einem sogenannten Cascadenofen, 
endlich in einem rotirenden Cylinder statt, aber immer durch innige 
Mengung des Eisensteins mit Kohle. Bei dem letzten Verfahren ge 
schieht die Erhitzung der zu reducirenden Eisensteine, wie bei Gurlt’s 
Verfahren direct durch Generatorgase. Während bei den übrigen Re- 
ductionsmethoden die Eisensteine nicht zur Schmelzung gelangen und 
das reducirte Eisen noch die Form derselben hat, wird bei Siemens’ 
beiden letzten Verfahren der Eisenstein in einen halbflüssigen Zustand 
versetzt, während welches die beigemengte Kohle das Eisen reducirt, 
oder wie Siemens sich ausdrückt, präcipitirt. 
Bei der Darstellung des Weicheisens aus Roheisen geht sehr oft 
noch eine Vorbereitung des letzteren, das Braten der Flossen bei der 
Herdfrischerei in Steyermark und Kärnthen, das Raffiniren, Feinen 
oder Weissmachen bei dem Flammfrischen oder Puddeln, vorher. Der 
Zweck dieser Operation ist die Abscheidung des Siliciums und eines 
1 heiles des Schwefels und Phosphors, wesentlich aber die Umwandlung 
des grauen in weisses Roheisen, d. h. die Auflösung des ß-Kohlenstoffs 
im Eisen unter gleichzeitiger Umwandlung in «-Kohlenstoff. Die Oxy 
dation des Kohlenstoffs im Puddelofen beginnt erst, nachdem der Gra 
phit wieder aufgelöst ist, was oft sehr lange Zeit, bei sehr grauem 
Roheisen oft weit über eine Stunde, dauert; es wird daher durch das 
vorherige leinen der Puddelprocess beschleunigt und die bei grauem, 
kohlenstoffreichem Roheisen sehr lange dauernde und zugleich für die’ 
Puddler sehr anstrengende Rührperiode bedeutend abgekürzt. 
Um denselben Zweck ohne eine besondere Schmelzoperation, 
wie bisher im englischen Feinfeuer oder dem Flammofen, zu erreichen, 
lasst Ad. Müller 1 ) durch den Gebläsewind gepulvertes Eisenoxyd in 
den Ileerd des Hohofens einblasen, wodurch eine ähnliche Wirkung 
hervorgebracht wird, wie durch das Füttern grauen Roheisens mit 
reichem Eisenerz, wie es z. B. auf Hoffnungshütte zu Herborn in Nassau 
und zu Finspong in Schweden geschieht. Unter Abscheidung von 
Garschaum oder Graphit und einer eisenreichen Kochschlacke, die den 
Ofen sehr angreift, wird dabei das Eisen halbirt oder weiss. ’ Bei den 
alten Holzkohlenöfen des Schleidener Thaies in der Eifel wurde der 
selbe Zweck durch Blasen mit stechender Form auf die Oberfläche des 
Eisens, während es noch im Heerde war, bewirkt, wobei eine theilweise 
Oxydation stattfand. J.P. Budd 2 ) zu Istal-y-fera in Südwales raffinirt 
das aus dem Hochofen abgestochene Roheisen dadurch, dass er es in 
gusseiserne Masselformen oder Cotpiillen laufen lässt, die mit gemah 
lenem Rotheisenstein ausgestrichen sind. Hierbei geräth das Metall ins 
!) Müller, Polyteehn. Centralbl. 1864, 285. 2) Budd, Mechan. 
Magaz. 1869, No. 50, 334; Engineering 1869, Octob. 224.
	        
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