Eisen.
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Seitdem beim Puddelbetriebe das Trockenpuddeln eines gaar-
schmelzigen, koblenstoffarmen Roheisens auf einer Sandsteinsohle
immer mehr durch das Schlackenpuddeln auf eisernem Herde, mit
Wasser- oder Luftkühlung, verdrängt wurde, bemühte man sich für
die Bekleidung oder Auswitterung des letzteren geeignetes Material
anzuwenden. Dieses besteht vorzugsweise in guter Puddelschlacke
seihst, welche nach Percy auf englischen Hütten meist nur 7'71 bis
15‘30 p.C. Kieselsäure enthält, und tap cinder genannt wird, während
die Sch weissofenschlacke, oder niill cinder, auf englischen Werken, z.B.
zu Dowlais nach Riley, bis 28"71 p. C. davon enthält, umgekehrt wie in
Deutschland. Es kommt dies daher, dass man in England die Sohlen
der Schweissöfen fast immer aus Sand, auf dem Continente aus Eisen
und Schlacken macht, daher die Schweissschlacke im ersten Falle
viel mehr Kieselsäure aufnehmen kann. Auf deutschen Werken zieht
man deshalb die reiche Schweissofenschlacke, die weniger Phosphor
und Schwefel als die Puddelschlacke enthält, zusammen mit Walzsinter
oder Hammerstockschlacke zum Ausfuttern der Herde vor. Ein sehr
gewöhnliches Material ist in England die geröstete Puddelschlacke
oder Bulldog-, sie wird erhalten, indem man sie in einem Ofen mehrere
Tage bei Luftzutritt glüht, wobei ein leichtflüssiger Theil aussaigert,
während der bulldog zurückbleibt. Nach Hochstätter J ) zeigte sich
dahei das durch nachstehende Analysen erläuterte Verhalten, a. ist
eine an Phosjihor ziemlich reiche Puddelschlacke, b. die ausgesaigerte,
leichtflüssige Schlacke, c. die geröstete Schlacke oder bulldog.
P 2 0 5
13-87
9-60
5-43
Si0 2 FeO,Fe 2 O s Mn s 0 4
22-00 54-64 8’98
27-05 51-43 11-15
17-21 72-60 4-21
a.
b.
Ausserdem werden reine und reiche Eisensteine, wie Magneteisen
stein, Rotheisenstein und Titaneisenstein, auch entschwefelte Schwefel
kiesrückstände, blue büly, gern angewendet, indem durch den «-Kohlen
stoff des Roheisens aus ihnen ein Theil metallisches Eisen leicht reducirt
und das Ausbringen vermehrt wird. Wie bedeutend das sein kann,
wird bei dem Puddeln mit Dank’s Maschine zu ersehen sein. Für
das mechanische Puddeln sind bei der Wahl des Heerdfutters dieselben
Gesichtspunkte maassgebend, doch kommt noch hinzu, dass das Futter
gegen die mechanische Abreibung widerstandsfähig sein muss, und
dass etwa abgeriebene und in die Luppe eingeschlossene Theilchen aus
ihr ohne Schaden, das ist durch Schmelzen, wieder entfernt werden
können. Ein Futter aus feuerfesten Steinen, Thon oder Quarz ist da-
*) Hochstätter, Berg- u. Hüttenm. Ztg. 1864. 194.