MAK

Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

810 
Gruppe III. Chemische Industrie. 
Puddelschlacke 0‘52 p.C. Ohne Zweifel sind manche von diesen Zu 
schlägen sehr vortheilhaft, namentlich das Blei und die schmelzbaren 
Kalkverbindungen, doch kommt es dabei immer auf die besonderen 
Verhältnisse an, unter denen sie wirksam werden können, namentlich 
sind erforderlich Dünnflüssigkeit des zu behandelnden Eisens und sehr 
sorgfältige mechanische Mengung. 
Die Untersuchungen des Eisens und der Schlacken in verschiedenen 
Stadien des Puddelprocesses, die schon vor längerer Zeit von Calvert und 
Johnson, Lan u. A. ansgeführt wurden, um die chemischen Reactionen 
während seines Verlaufes zu ermitteln und eine Theorie des Puddelns 
festzustellen, sind von Mehreren fortgesetzt worden. Zu denselben gehören 
R. Andree 1 ) K. List 2 ) zu Hagen, ferner über Schlacken, M. Mene 3 ), 
A. Schilling 4 ), Drassdo 5 ), Ed. Urbin«), endlich C. W. Siemens 7 ). 
Durch die Arbeiten dieser Herren ist die schon früher aufgestellte 
Theorie vollständig bestätigt worden und es kann jetzt als festgestellt 
angesehen werden, dass die Oxydation von «-Kohlenstoff, Silicium, 
Phosphor, Schwefel, Mangan und Eisen wesentlicher durch den gebun 
denen Sauerstoff der Schlacke und der Zuschläge geschieht, als durch 
den der Luft, der nur in der Periode des Einschmelzens besonders 
wirksam ist. In dem ersten Stadium nach dem Einschmelzen löst das 
Eisen seinen ß-Kohlenstoff wieder auf, daher unter Abscheidung des 
Siliciums als Kieselsäure der Gehalt an «-Kohlenstoff bedeutend zunimmt 
und der an /3-Kohlenstoff verschwindet. Gleichzeitig oxydirt sich auch 
ein grossei Theil des Mangans. Erst nachdem diese Feinperiode bei 
giauem Roheisen beendet ist, tritt die Kochperiode unter Abscheiduiig 
des «-Kohlenstoffs und theilweiser Reduction von Eisen ein, wobei sich die 
abgeschiedenen Eisenkörner in dem Zustande des Stahls befinden. Dann 
tritt in der dritten Periode unter weiterer Entkohlung die Bildung des 
Weicheisens, ein und in ihr wird der wesentlichste Theil des Phosphors, 
durch Aussaigerung von Phosphoreisen undphosphorsaurem Eisenoxydul, 
die in die Schlacke gehen, abgeschieden. Diese Bemerkungen mögen hier 
hinreichen; im Uebrigen muss auf die angeführten Arbeiten selbst ver 
wiesen werden. Ein Blick auf die vorstehend angeführten Analysen von 
nach dem Danks’schen Verfahren erhaltenen Producten wird genügen, 
um zu zeigen, dass der Verlauf des Processes im Wesentlichen derselbe 
ist, wie im gewöhnlichen Puddelofen, nur ist die oxydirende Einwir 
kung des Sauerstoffes der Luft noch mehr ausgeschlossen, als bei diesem. 
*) Andree, Oesterr. Zeitschr. f. Berg- u. Hüttenw. 1860, 16. 2 ) List, 
Programm der Gewerbeschule zu Hagen 1860, 1 ; Zeitschr. d. Ver. deutscher 
Ingen. IX, 380.; Berg- u. Hüttenm. Ztg. 1865, 322. 3 ) Revue uni . 
vers. 1864, 4 livr. 223. 4 ) Schilling, Berg- u. Hüttenm. Ztg. 1863, 313. 
“) Drassdo, Zeitschr. f. Berg-, Hütten- u. Salinenw. 1863 XI 170 c ) Ur 
bin, Revue univers. 1867, 317. 7 ) Siemens, Practic. Mechan. Journ. 1868, 
Oct. 126; Berg- u. Hüttenm. Ztg. 1868, 442; Wagn. Jahresber. 1869, 36.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.