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Gruppe III. Chemische Industrie.
Puddelschlacke 0‘52 p.C. Ohne Zweifel sind manche von diesen Zu
schlägen sehr vortheilhaft, namentlich das Blei und die schmelzbaren
Kalkverbindungen, doch kommt es dabei immer auf die besonderen
Verhältnisse an, unter denen sie wirksam werden können, namentlich
sind erforderlich Dünnflüssigkeit des zu behandelnden Eisens und sehr
sorgfältige mechanische Mengung.
Die Untersuchungen des Eisens und der Schlacken in verschiedenen
Stadien des Puddelprocesses, die schon vor längerer Zeit von Calvert und
Johnson, Lan u. A. ansgeführt wurden, um die chemischen Reactionen
während seines Verlaufes zu ermitteln und eine Theorie des Puddelns
festzustellen, sind von Mehreren fortgesetzt worden. Zu denselben gehören
R. Andree 1 ) K. List 2 ) zu Hagen, ferner über Schlacken, M. Mene 3 ),
A. Schilling 4 ), Drassdo 5 ), Ed. Urbin«), endlich C. W. Siemens 7 ).
Durch die Arbeiten dieser Herren ist die schon früher aufgestellte
Theorie vollständig bestätigt worden und es kann jetzt als festgestellt
angesehen werden, dass die Oxydation von «-Kohlenstoff, Silicium,
Phosphor, Schwefel, Mangan und Eisen wesentlicher durch den gebun
denen Sauerstoff der Schlacke und der Zuschläge geschieht, als durch
den der Luft, der nur in der Periode des Einschmelzens besonders
wirksam ist. In dem ersten Stadium nach dem Einschmelzen löst das
Eisen seinen ß-Kohlenstoff wieder auf, daher unter Abscheidung des
Siliciums als Kieselsäure der Gehalt an «-Kohlenstoff bedeutend zunimmt
und der an /3-Kohlenstoff verschwindet. Gleichzeitig oxydirt sich auch
ein grossei Theil des Mangans. Erst nachdem diese Feinperiode bei
giauem Roheisen beendet ist, tritt die Kochperiode unter Abscheiduiig
des «-Kohlenstoffs und theilweiser Reduction von Eisen ein, wobei sich die
abgeschiedenen Eisenkörner in dem Zustande des Stahls befinden. Dann
tritt in der dritten Periode unter weiterer Entkohlung die Bildung des
Weicheisens, ein und in ihr wird der wesentlichste Theil des Phosphors,
durch Aussaigerung von Phosphoreisen undphosphorsaurem Eisenoxydul,
die in die Schlacke gehen, abgeschieden. Diese Bemerkungen mögen hier
hinreichen; im Uebrigen muss auf die angeführten Arbeiten selbst ver
wiesen werden. Ein Blick auf die vorstehend angeführten Analysen von
nach dem Danks’schen Verfahren erhaltenen Producten wird genügen,
um zu zeigen, dass der Verlauf des Processes im Wesentlichen derselbe
ist, wie im gewöhnlichen Puddelofen, nur ist die oxydirende Einwir
kung des Sauerstoffes der Luft noch mehr ausgeschlossen, als bei diesem.
*) Andree, Oesterr. Zeitschr. f. Berg- u. Hüttenw. 1860, 16. 2 ) List,
Programm der Gewerbeschule zu Hagen 1860, 1 ; Zeitschr. d. Ver. deutscher
Ingen. IX, 380.; Berg- u. Hüttenm. Ztg. 1865, 322. 3 ) Revue uni .
vers. 1864, 4 livr. 223. 4 ) Schilling, Berg- u. Hüttenm. Ztg. 1863, 313.
“) Drassdo, Zeitschr. f. Berg-, Hütten- u. Salinenw. 1863 XI 170 c ) Ur
bin, Revue univers. 1867, 317. 7 ) Siemens, Practic. Mechan. Journ. 1868,
Oct. 126; Berg- u. Hüttenm. Ztg. 1868, 442; Wagn. Jahresber. 1869, 36.