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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
und % weicher Kohle gelagert, der Kasten gut lutirt und durch ein 
Rohr mit einer Wasservorlage und Aspirator verbunden. Die abge 
sogenen Gase hatten folgende Zusammensetzung: a. nach 8stündigem, 
b. nach 32stündigem, c. nach 60stündigem Glühen: 
C0 2 
a. 20'06 
b. 00-00 
c. 00-00 
CO II N 
15-55 26-60 37*79 
15- 30 39-80 44-90 
16- 32 37-76 45‘92 
Das Eisen war nach beendetem Versuche stark cementirt, auch 
solches, welches mit feuerfestem Thon überzogen und daher mit der 
Kohle nicht in Berührung gewesen war. In der Vorlage zeigte sich 
keine Spur von Cyanverbindungen, daher angenommen werden muss, 
dass die Cementation hauptsächlich durch das Kohlenoxyd, zum kleinen 
I heile vielleicht auch durch den festen Kohlenstoff bewirkt worden 
war, wobei die durchschnittliche Gewichtszunahme 0'48 p. C. betrug. 
Auch Boussingault 1 ) untersuchte die Kohlenstoffzunahme beim 
Cementiren von schwedischem Stabeisen mit 0*3 «C zu Unieux im 
Loiredepartement, und fand bei drei Proben eine Zunahme auf 0*8, 
1*3 und 2'0 p. C. chemisch gebundenen Kohlenstoff. 
Es war schon vor längerer Zeit von Christopher Binks 2 ) die 
Behauptung aufgestellt worden, dass für die Bildung von Stahl aus 
weichem Eisen das Vorhandensein von Kohle - Stickstoffverbindungen 
absolut erforderlich sei. Auch französische Forscher unterstützten 
diese Behauptung und suchten den Einfluss des Stickstoffes nicht allein 
bei der Stahlbildung, sondern ihn auch im Stahle selbst nachzuweisen. 
II. Garon 3 ) behauptete nämlich, dass die Cementirung, d. i. Kohlung 
des weichen Eisens, immer durch die Vermittelung von Cyanverbin 
dungen geschähe, und er führte sie im Grossen zu Montataire aus, in 
dem er als Cementirpulver Holzkohle mit Beimengung von Witherit, 
kohlensaurem Barium, zur Vermittelung der Cyanbildung benutzte; auch 
nahm er Steinkohle statt der ersteren. Fremy 4 ) behauptete sogar, dass 
Stickstoff in den Stahl übergehe, wenn er auch nicht nachweisbar sei, 
und dass es von dem Stickstoffgehalt eines Roheisens abhänge, ob dar 
aus Stahl werden könne oder nicht, daher dieser immer nur ein ge 
kohltes Stickstoffeisen (/er azotocarbure) sei. Auch will J. B o u i s 5 ) 
im Stahle den Stickstoff durch Glühen im Wasserstoffstrome unter Bil 
dung von Ammoniak nachgewiesen und davon in verschiedenen Stahl 
sorten 0-0014 bis 0-00059, in weissem Roheisen 0*0015 p.C. Stickstoff 
*) Boussingault, Ann. chim. phys. XIX, 78; Wagn. Jahresber. 1870, 
78. 2 ) Binks, Repertory of patent inventions 1857, 113; Polytechn. Cen- 
tralbl. 1857, 1389. 3 ) Caron, Compt. rend. LII, 321, 626 u. s. f. 
4 ) Fremy, Compt. rend. LI, 567; Journ. f. prakt. Chem. LXXXIY, 84 ff. 
5 ) Bouis, Cömpt. rend. LII, 1195.
	        
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