386 Gruppe III. Chemische Industrie.
ein Zurückgehen der Erträge noch nicht zu bemerken war und, auch
durch successive Vertiefung der Ackerkrume sowie durch die damals
gerade eingeführte Guanodüngung ein Theil der regelmässig ausge
führten Alkalien ersetzt und der Vorrath im Boden daher nicht so
rasch aufgezehrt wurde. Nach und nach stellten sich aber doch Er
scheinungen heraus, welche die „praktischen Landwirthe“ daran denken
Hessen, dass die Ansichten des „Theoretikers“ Liebig, welcher kaum
ein Rübenfeld gesehen hatte, vom Auspflanzen, Behacken und Einmiethen
' der Rüben aber gewiss nichts verstand, doch wohl Beachtung verdienen
möchten. Man konnte plötzlich nicht mehr wie in den ersten Zeiten
ein Jahr um das andere oder selbst direct hinter einander Zucker
rüben bauen, denn die Ernten gingen in Qualität und Quantität zu
rück, Ungeziefer, Pilzbildungen und sonstige Schädlinge setzten den
in Folge mangelhafter Ernährung und Ausbildung weniger wider
standsfähigen Pflanzen in weit höherem Maasse zu und selbst die ein
geheimsten Rüben zeigten neben vermindertem Zuckergehalt auch eine
geringere Beständigkeit, indem sie in den Miethen rasch faulten. Unter
suchungen der Aschenbestandtheile solcher leicht bullender Rüben cou-
statirten darin einen bedeutend geringeren Kaligehalt als in normalen,
und so entschloss man sich, wenn auch zögernd, zu Versuchen mit den
Kalidüngsalzen. Das Resultat dieser zuerst auf den Versuchsfeldern
der Zuckerfabriken von J. Brumme in Waldau und von Treutler-
Scherzer in Neuhof bei Liegnitz gemachten Proben war ein derart
günstiges, dass schon im folgenden Jahre grosse Massen von Kalidüng
mitteln verbraucht wurden und die anfangs gehegten Befürchtungen,
dass der Acker durch die Chlorverbindungen resp. durch die löslichen
Salze überhaupt verdorben, oder wie man sich ausdrückte „versalzen“
würde, bald schwanden. Neben den bis dahin fast ausschliesslich ver
wendeten Stickstoff- und phosphorsäurehaltigen Düngmitteln (Guano,
Knochenmehl und Superphosphat) erwarben sich die Kalisalze um so
rascher einen Platz, als man bald fand, dass sie die Wirkung des
Guano und der Phosphate nicht nur rationell ergänzten, sondern auch
in Folge ihres Gehaltes an Kochsalz und Magnesiumsulfat die Verthei-
luug und Lösung der Phosphate ebenso unterstützten, wie sie das freie
Ammoniak des Guanos vor Verflüchtung bewahrten.
Dass durch die Kalidüngung die Anwendung der Stickstoff- wie
der phosphorsäurehaltigen Kunstdünger nicht ersetzt werden könne, und
dass die Anwendung des Kalis auf solchem Ackerboden, welcher reich
an Feldspath und verwitterten, kalihaltigen Gesteinen ist, erfolglos
sein müsse, würde keiner besonderen Erwähnung bedürfen, wenn nicht
daraus der Kalidüngung von Seiten einzelner Empiriker ein Vorwurf
gemacht worden wäre. Die meisten Landwii'the können sich eben noch
immer nicht in den Gedanken finden, dass die allgemein gültigen
Grundlehren der Pflanzenernährung in ihrer Anwendung jeder einzel-