Eisen.
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Cementstahl. Ueber diese Art Stahl ist schon Mehreres bei
der Constitution des Stahls mitgetheilt worden. David Forbes
fand einen aus schwedischem Eisen zu Sheffield dargestellten Cement
stahl, bestehend aus:
«c ß C Si P s Mn
0'627 0-102 0-030 O'OOO 0'005 0'120
Gegenüber der oben erwähnten Cyantheorie von H. Caron kam
L. Grüner 1 ) zu dem Resultate, dass die Gementirung des weichen
Eisens durch Kohlenstoff, Kohlenoxyd und Kohlenwasserstoff stattfinde,
ohne dass die Gegenwart von Cyanverbindungen nöthig sei, dass die
selben aber günstig mitwirken.
Der Herzehlstahl wird genau auf die Weise erhalten wie
das hämmerbare Gusseisen nach Eaton’s Methode (s. oben), indem
Stäbe eines sehr reinen Ilolzkohlenroheisens mit Zinkoxyd in einer ge
schlossenen Muffel so weit entkohlt werden, dass sie den Kohlenstoff
gehalt des Stahls besitzen, worauf sie umgeschmolzen werden. Dieses
Verfahren ist nur einer sehr beschränkten Anwendung fähig, da in
den seltensten Fällen Roheisen so frei von Schwefel, Phosphor und Sili
cium ist, dass es direct einen brauchbaren Stahl geben kann 2 ).
Tiegelstahl. Das Rohmaterial für denselben war ursprünglich
allein der beste Cementstahl, welcher in Stücke zerbrochen, nach dem
Korne sortirt und in feuerfesten Tiegeln unter einer Decke von Glas
und Borax geschmolzen wurde und als Gussstahl, Huntsmanstahl, cast-
Steel, acier fondu, in den Handel kam. In Deutschland nahm man
aber zum Umschmelzen auch Frischstahl und Puddelstahl, namentlich
haben die Gussstahlfabriken von Krupp zu Essen und die zu Bochilm
durch diese Rohmaterialien, die bedeutend billiger als Cementstahl
waren, ihre grossen Erfolge erreicht. Der Härtegrad und Kohlenstoff
gehalt wurde dabei durch Dosirung mit reinem Siegener Holzkohlen-
Spiegeleisen regulirt. In neuester Zeit wird auch Bessemer-Stahl und
Martin-Stahl als Rohmaterial dafür verwendet. Auch die schon von
Karsten angegebene Methode der Gussstahlfabrikation durch Zusammen
schmelzen von reinem Schmiedeeisen mit Spiegeleisen wurde zuerst
von Krupp eingeführt'und hat später eine weite Verbreitung gefun
den. Ausserdem giebt es aber eine Unzahl von Recepten für Tiegel
mischungen zu Gussstahl. So empfiehlt C. Cowper 3 ) 1. 700 Theile
Schmiedeeisen, 200 weisses Eisen, 100 Eisenoxyd und 8 rothes Blut
laugensalz; 2. 500 Theile alten Stahl, 500 Schmiedeeisen und 14 rothes
] ) Grüner, Berg- u. Hüttenm. Zeitschr. 1870, 338; Wagn. Jahresber.
1870, 70. 2) Wochenschrift des Sehles. Yer. f. Berg- u. Hüttenwesen 1860
Kr. 26; Dingl. pol. J. CLVII, 235. 3 ) Cowper, London Journ. of arts etc.
1861, May, 281.
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