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MAK

Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

822

Gruppe  III.  Chemische  Industrie.
Tiegelstahl,  welcher  den  Ausgangspunkt  für  eine  ganz  neue  Methode
der  Stahlfabrikation  gebildet  hat,  ist  hier  noch  der  Uchatius-Stahl
anzuführen.  Derselbe  war  vertreten  durch  die  Fabrikate  von  C.  R.  Ulff
in  Wikmanshytta  in  Schweden,  der  einzigen  Hütte,  wo  er  noch  im
Grossen  aus  gutem  granulirten  Roheisen  mit  etwas  Kohlenpulver  und
einem  Zuschläge  von  reichen  70procentigen  Eisenerzen  von  Bispberg
in  Graphittiegeln  erzeugt  wird.  Er  ist  sehr  zähe  und  hart,  doch  ist
grösste  Reinheit  der  dazu  verwendeten  Rohmaterialien  die  erste
Bedingung,  die  nicht  leicht  zu  erfüllen  ist.  Hauptmann  Franz
Uchatius,  jetziger  General  und  Erfinder  der  sogenannten  Stahlbronze, ­
  'die  aber  gar  kein  Stahl,  sondern  gewöhnliche,  rasch  abgekühlte
Bronze  ist,  patentirte  sein  Verfahren  schon  1856  und  die  ersten  damit
erzielten  Resultate  bei  der  französischen  Nordbahn,  in  Sheffield  und
Newburn  in  Amerika  gaben  ganz  befriedigende  Resultate,  die  aber
später  nicht  anhielten,  offenbar  weil  nicht  immer  geeignete  Materialien
zu  beschaffen  waren.  Auch  griffen  die  reichen  Eisen-  und  Manganoxyde,
  welche  als  entkohlender  Zuschlag  angewendet  wurden,  die  Tiegel ­
  sehr  gewaltsam  an  und  durch  die  so  gebildete  Schlacke  entstanden
viele  andere  Unzuträglichkeiten,  die  verschwanden,  sobald  man  gelernt
hatte  statt  der  Tiegel  den  Herd  eines  Flammofens  anzuwenden.
Flammofen-Gussstahl.  Grössere  Massen  von  Stahl  im  Flammofen ­
  unter  einer  Schlackendecke  zu  schmelzen  war  oft,  doch  immer
mit  schlechtem  Erfolge  versucht  worden.  Erst  C.  Lau  J )  war  im  Stande,
1858  ein  genügendes  Resultat  auf  der  Sandsteinsohle  eines  Flammofens,
  die  auch  von  unten  erhitzt  wurde,  zu  erzielen  und  seit  dieser
Zeit  datirt  die  Fabrikation  des  Flammofen  -Gussstahls,  die  aber  erst
durch  Einlührung  der  Siemens’schen  Regenerativ-Feuerung  zu
ihrer  heutigen  Sicherheit  gelangte.  Sie  wurde  zuerst  im  Grossen
von  E.  und  P.  Martin  zu  Sireuil  im  Jahre  1864  in  Frankreich  ausgeführt ­
  und  war  anfangs  das  Uchatius’sche  Verfahren  im  Flammofen, ­
  das  später  jedoch  so  modificirt  wurde,  dass  dem  geschmolzenen
Roheisen  ausser  reichem  Eisenstein  weissglühend  gemachte  und  theilweise
  oxydirte  Schmiedeeisen-  und  Stahlabfälle  portionenweise  zugesetzt ­
  wurden.  Die  schon  vor  40  Jahren  patentirte  Methode  von
Heath  bestand  gleichfalls  im  Zusammenschmelzen  von  Roheisen  und
Schmiedeeisen,  daher  der  Martin-Process  der  neueren  Zöit  eine  Combination
  der  Methoden  von  Uchatius  und  Heath  ist,  und  statt  in
Tiegeln,  in  einem  Siemens’schen  Regenerativ-Schmelzofen  ausgeführt
wird  2 ).  Die  erste  grössere  Martin  -  Stahlhütte  wurde  zu  Firminy  im
Löiredepartement  angelegt,  und  bestand  aus  zwei  Siemens-Schmelzöfen

*)  Lai,  Bullet,  de  la  sociötd  d’industrie  min&rale.  IV,  572;  Dingl.  pol.
J.  OLIV,  105.  2 )  Berg-  u.  Hüttenm.  Ztg.  1867,  864.
            
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