Eisen.
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sanier Umdrehung; nach 40 Minuten folgen dann 5 bis 6 Centner
reine Kohlen in Stückchen und bei beschleunigter Rotation findet unter
eintretender Schmelzung eine kräftige Reduction des Eisens statt, wo
bei das gebildete Kohlenoxydgas durch zugeführte heisse Luft ver
brannt wird. Nach etwa zwei Stunden ist der grösste Theil des Eisens,
etwa 80 p. C., zu Metall reducirt, worauf dann die Schlacke abgelassen
wird und sich etwa 10 Centner Weicheisen auf dem Heerde befinden.
Dieses wird entweder, wie oben beschrieben, zu Luppen geballt, die
dann in einem Stahlschmelzofen mit Spiegeleisen zu Stahl umge
schmolzen werden, oder diese Umschmelzung geschieht nach Zusatz von
10 bis 15 p. 0. Spiegeleisen im Rotator selbst; doch hält Siemens
das erstere Verfahren für vortheilhafter. Das Ausbringen aus dem
Erze ist je nach der Beschaffenheit desselben verschieden. So gaben
bei Vickers & Sons sehr reiche Erze aus einer Tonne 14 bis
15 Centner Weicheisen, dagegen ärmere Erze, die mit Kalkzuschlag
zu Blochairn verarbeitet wurden, nur 2'8. 4'56 und 4'8 Centner.
Dieses geringe Ausbringen beweist, dass die directe Eisendarstellung
sich nur bei reichen Erzen lohnt, während die ärmeren nur mit Vor
theil im Hohofen zugute zu machen sind, der überdies durch seine
Tag und Nacht ununterbrochen stattfindende Massenproduction jede
Siemens-Stahlhüttenanlage überflügelt. Nach Siemens’ 1 ) Angabe ist
der Brennstoffverbrauch bei dieser Methode für 20 Centner Weicheisen
28 Centner, und für ebensoviel Stahl 30 Centner gute Steinkohle: doch
ist darüber wohl nichts Genaues festgestellt, da die Methode sich noch
im Stadium des Experimentes befindet.
Bessemerstahl. Wohl selten hat eine Erfindung eine so
lehrreiche Geschichte gehabt, als diejenige von Henry Bessemer, aus
geschmolzenem Roheisen durch Einblasen von gepresster Luft ohne
sonstige Anwendung von Brennmaterial Schmiedeeisen oder Stahl dar
zustellen. Bessemer’s ursprüngliches Streben war auf die Erzeugung
von Schmiedeeisen gerichtet, um den mühsamen Puddelprocess über
flüssig zu machen; dass ihm das nicht gelingen würde, dass aber seine
Idee bestimmt sei die grossartigste Stahlerzeugungsmethode zu ent
wickeln, hat er wohl kaum geahnt. Sein erstes englisches Patent datirt
vom 15. März 1856. Bessemer’s eigene Versuche sowie die 1857
in Woolwich ausgeführten, gaben ein zwar kohlenstofffreies, aber roth-
brüchigeBund verbranntes Schmiedeeisen, das noch dieganze Menge
an Schwefel und Phosphor des Roheisens enthielt.
Auch die Versuche, durch unvollständiges Entkohlen Stahl darzu
stellen, gaben kein brauchbares Product, weil das englische Roheisen
dafür zu unrein war; die. besten Resultate wurden noch mit schwedi-
J ) Siemens, Iron 1873, March Nro. 11.