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Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

828

Gruppe  III.  Chemische  Industrie.
dem  gänzlich  entkohlten  Eisen  davon  so  viel  mitgetheilt,  dass  es  wieder ­
  den  Zustand  des  Stahls  annimmt,  den  es  schon  einmal,  am  Ende
der  zweiten  Periode,  hatte.
Nach  vielfachen  Versuchen  hat  sich  in  England  das  graue  Hämatitroheisen ­
  von  Barrow  -  in  -  Furness,  Cleator  Moore  und  Workington
als  am  geeignetsten  gezeigt  und  dasselbe  wird  auch  häufig  auf
dem  Continente  angewendet.  Es  enthielten  a.  Cumberland  -  Hämatit-Roheisen
  Nr.  2 1 / 3  bis  3;  b.  ebensolches  von  Workington  Nr.  1;  c.
dito  Nr.  2;  d.  dito  von  Cleator  Moore.  (Vergl.  auch  oben  Hochofenbetrieb ­
  und  Constitution  des  Roheisens).

«C  ßC
a.  0-08  3'30
b.  Im
c.  0-236  3-852
d.  4'44

-  Si
4-50
2-38
2-195
1-29

P
0-04
Spr.
0-070
0-09

S
0-09
o-oi
0-012
o-oi

Mn
0-57
0-098
0-153
0-03

Ca
Spr.
0-062
Spr.

Die  vorstehenden  Analysen  zeigen  ein  gaares  und  reines  Roheisen
von  hohem  Kohlenstoff-  und  Siliciumgehalt;  dagegen  ist  der  Gehalt
an  Mangan  nur  unbedeutend  und  bei  den  meisten  auf  dem  Continente
erblasenen  Arten  von  grauem  Bessemereisen  bedeutender.  Man  sucht
daselbst  sogar  möglichst  viel  Mangan  hineinzubringen,  weil  es  als
Indicator  für  den  Grad  der  Entkohlung  gebraucht  wird.  Der  Gehalt
an  Silicium  ist  dagegen  bei  allen  Arten  möglichst  hoch,  weil  angenommen ­
  wird,  dass  von  seiner  Verbrennung  der  Temperaturgrad  des
Eisens  im  Convertor  wesentlich  abhängt,  worüber  Näheres  unten.
Weisses  Roheisen  ist  gleichfalls  oft  zur  Fabrikation  von  Bessemerstahl ­
  versucht  worden,  doch  hat  es  bisher  nur  beschränkte  Anwendung
gefunden,  weil  es  im  Convertor  nicht  die  erwünschte  Temperatur  erreicht. ­
  Deswegen  hat  bei  demselben  Tunner 1 )  die  .Anwendung  von
heissem  Winde  und  R.  Richter  2 )  einen  Zuschlag  von  Blei  oder  Bleioxyd ­
  zu  der  Charge  vorgeschlagen,  um  durch  die  Verbrennung  des
Bleies  die  Temperatur  zu  steigern.  Das  erstere  Verfahren  wird  schon
lange  auf  dem  von  Gienanth’schen  Werke  zu  Kaiserslautern  und  zu
Maximilianshütte  bei  Regensburg  angewendet  und  auch  H.  Franke  3 )
sieht  in  heissem  Winde  von  wenigstens  500°  C.  den  einzigen  brauchbaren ­
  Ersatz  für  das  fehlende  Silicium.  Dagegen  werden  zu  Neuberg
in  Steyermark  von  Stockher  seit  1867  in  zu  kalte  Chargen  50  bis
60  Pfd.  Kohlenstaub  und  8  Pfd.  Kochsalz  mit  dem  Winde  eingeblasen
«
B  Tunner,  Berg-  u.  Hüttenm.  Ztg.  1866,  173.  a )  Richter,  Berg-  u.
Hüttenm.  Ztg.  1865,  219,  Dingl.  pol.  J.  CLXXVI,  28.  3 )  Pranke,  Berg-*
u.  Hüttenm.  Ztg.  1872,  488;  "Wagn.  Jahresber.  1872,  95.
            
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