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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

Uran. 837 
nehmer finden, obwohl die Uranpräparate bei hohem Preise sehr ge 
sucht waren. 
Das Ministerium für Landescultur und Bergwesen ordnete daher 
endlich im Jahre 1852 die Darstellung der im Handel gewünschten 
Uranverbindungen nach der von Adolph Patera vorgeschlagenen 
Methode an und beauftragte denselben, die Fabrik in Joachimsthal ein 
zurichten. 
Patera hatte bereits im Jahre 1848 ein neues Verfahren ange 
geben, um Uranerze schnell und gena*u auf ihren Urangehalt zu pro- 
biren J ), und hatte eine Reihe von rothen Uranverbindungen beschrie 
ben 2 ). Die Anerkennung, welche letzterer Arbeit von Seiten der k. k. 
Akademie der Wissenschaften 3 ) zu Theil wurde, ermunterte denselben 
zur Fortsetzung seiner Versuche über fabrikmässige Darstellung reiner 
Uranverbindungen aus den Erzen, und derselbe legte der kaiserl. 
Akademie schon im Mai 1849 die diesbezügliche Arbeit vor 4 ). Diese 
Darstellungsmethode war die Grundlage des Verfahrens, welches in den 
Jahren 1852 bis 1853 5 ) in Joachimsthal eingeführt wurde, und welches 
mit geringen Abänderungen bis nun angewendet wird. 
Die von den Gruben übernommenen Erze werden zuerst nach dem 
oben erwähnten Verfahren auf ihren Urangehalt probirt. Es wird zu 
diesem Ende eine gewogene Menge des feingepulverten Erzes in Sal 
petersäure gelöst. Die durch Abdampfen von dem Säureüberschüsse 
befreite Lösung wird mit Soda übersättigt und gekocht, wodurch sich 
das Uran als kohlensaures Uranoxydnatron nahezu allein auflöst. Diese 
Lösung wird nach dem Filtriren in einer goldenen Schale zur Trockne 
verdampft und der Rückstand geglüht. Beim Behandeln des geglüh 
ten Rückstandes mit heissem Wasser bleibt das Uran als saures, uran 
saures Natron zurück, welches dann abfiltrirt, geglüht und gewogen 
wird. Hat man keine goldene Schale zur Verfügung, so wird die 
Auflösung von Uranoxyd in Soda mit Aetznatron versetzt, wodurch 
man dasselbe Salz mit Wasser verbunden erhält, welches ausgewaschen, 
geglüht und gewogen wird. 
Aus dem erhaltenen sauren, uransauren Natron wird der Uran 
gehalt des Erzes berechnet. 
Die von den Gruben an die Fabrik gelieferten Erze haben ge 
wöhnlich einen Durchschnittsgehalt von 40 bis 50 p. 0. Uranoxydoxydul, 
dieselben enthalten ausserdem viele fremdeBestandtheile, als: Schwefel, 
Arsen, Vanadin, Molybdän, Wolfram, Blei, Wismuth, Silber, Kupfer, 
Eisen, Mangan, Zink, Kobalt, Nickel, einige Erden und Kieselsäure. 
4 ) Patera, Jahrb. für den Berg- und Hüttenmann 1849. 2 ) Patera, 
Ber. über die Mittheil. d. Naturwiss. Ver. 4n Wien, 1848, Y, 45. 3 ) Ge- 
sammtsitzung vom 23. Dec. 1848. 4 ) Sitzungsber. d. Wiener Akad. Mai 1849. 
6 ) Sitzungsber. d. Wiener Akad. Nov. 1853.
	        
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