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MAK

Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

388

Gruppe  III.  Chemische  Industrie.
werthe,  weil  lohnende  Ziele  geboten  werden.  Ein  solches  Ziel  bietet
aber  für  Hunderttausende  die  Colonisation  und  Bewirthschaftung  der
weiten  Moor-  und  Haideflächen,  welche  nicht  nur  von  Holland  bis
nach  Jütland  die  Nordseeküste  tief  ins  Land  hinein  bilden,  sondern
auch  in  grosser  Ausdehnung  im  Innern  Deutschlands,  im  Flachlande
wie  im  Hoch-  und  Mittelgebirge,  sich  erstrecken.
Diese  längs  der  Nordseeküste  sich  hinziehenden  Moor-  und  Haideflächen ­
  sind  bekanntlich  der  Hauptsitz  des  unter  dem  Namen  Brandcultur
  berüchtigten  landwirthschaftlichen  Betriebes.
„Alljährlich  geschieht  es,  dass  bald  nach  Eintritt  der  ersten  trocknen ­
  Frühlingstage  langsam  am  westlichen  Horizonte  ein  weisser,
gelblichgrauer  Nebel  emporsteigt  und  sich  allmälig  wie  ein  Schleier
über  die  Gegend  legt,  ein  Vielen  unheimlicher,  Allen  beschwerlicher
Gast.  Die  Sonne  wird  verdüstert,  die  grünen  Farben  von  Wald  und
Feld  nehmen  einen  falben  Schein  an,  ein  hässlicher,  brenzlicher  Geruch
lässt  sich  spüren,  die  Brust  fühlt  sich  beklemmt,  die  Seele  zu  trüben
Betrachtungen  gestimmt  1 ).
Der  Landmann  hält  den  Qualm  für  giftig  und  legt  ihm,  wenngleich ­
  mit  Unrecht,  das  Abfallen  der  Obstblüthen  zur  Last.  Er  glaubt,
dass  der  Haarrauch  („Höhenrauch“)  es  lang  ersehnten  und  endlich
erschienenen  Gewittern  verwehre,  den  Segen  des  Regens  über  seine
Saaten  zu  ergiessen,  und  die  Wissenschaft  scheint  ihm  darin  Recht  zu
ertheilen.
Am  meisten  leidet  Hannover  von  dieser  unleidlichen  Erscheinung
am  deutschen  Himmel,  wenngleich  nicht  selten  der  Wind  den  garstigen
Dunst  bis  an  die  Weichsel  und  bis  zu  den  Alpen  treibt.
„Zersetzte  Gewitter“  antwortete  man  früher,  wenn  nach  der  Herkunft ­
  des  Höhenrauches  gefragt  wurde.  Heutzutage  wissen  wir  es
besser.  Nicht  vom  Himmel  kommt  er  herab,  sondern  von  der  Erde
steigt  er  auf.  Sein  Herd  liegt  vorzüglich  in  den  grossen  Mooren  des
Herzogthums  Aremberg  -  Meppen,  der  Niedergrafscbaft  Bentheim,  sowie
eines  Theiles  von  Ostfriesland  und  dem  Oldenburgischen,  Gegenden,
die  mit  ihren  Sümpfen,  Mooren  und  Haiden  noch  für  viele  Deutsche  ein
völlig  unbekanntes  Land  sind,  die  gleichwohl  einen  überaus  interessanten ­
  Winkel  der  Welt  ausmachen 2 ).“  Das  dort  übliche  Brennen  des  Moores ­
  selbst  und  der  darauf  begründete  Betrieb  sind,  vorausgesetzt,  dass
Wind  und  Wetter  den  Moorcolonisten.  günstig  sind,  sehr  einfache  Operationen, ­
  welche  den  alten  Spruch,  dass  die  Brandcultur  nur:  „Enen
Tunderpott  (Zundertopf)  un  zween  gesunde  Arme“  erfordert  um  dabei
vorwärts  zu  kommen,  so  lange  wahr  erscheinen  lassen,  bis  eben  nichts

l)  Vergl.  auch  den  Anhang  zu  diesem  Aufsatze  S.  395.  —  2 )  Vierter  Bericht ­
  des  Comiiüs  zur  Unterstützung  der  Colonisten  im  Herzogthume  Aremberg-Meppen.

            
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