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Gruppe III. Chemische Industrie.
werthe, weil lohnende Ziele geboten werden. Ein solches Ziel bietet
aber für Hunderttausende die Colonisation und Bewirthschaftung der
weiten Moor- und Haideflächen, welche nicht nur von Holland bis
nach Jütland die Nordseeküste tief ins Land hinein bilden, sondern
auch in grosser Ausdehnung im Innern Deutschlands, im Flachlande
wie im Hoch- und Mittelgebirge, sich erstrecken.
Diese längs der Nordseeküste sich hinziehenden Moor- und Haideflächen
sind bekanntlich der Hauptsitz des unter dem Namen Brandcultur
berüchtigten landwirthschaftlichen Betriebes.
„Alljährlich geschieht es, dass bald nach Eintritt der ersten trocknen
Frühlingstage langsam am westlichen Horizonte ein weisser,
gelblichgrauer Nebel emporsteigt und sich allmälig wie ein Schleier
über die Gegend legt, ein Vielen unheimlicher, Allen beschwerlicher
Gast. Die Sonne wird verdüstert, die grünen Farben von Wald und
Feld nehmen einen falben Schein an, ein hässlicher, brenzlicher Geruch
lässt sich spüren, die Brust fühlt sich beklemmt, die Seele zu trüben
Betrachtungen gestimmt 1 ).
Der Landmann hält den Qualm für giftig und legt ihm, wenngleich
mit Unrecht, das Abfallen der Obstblüthen zur Last. Er glaubt,
dass der Haarrauch („Höhenrauch“) es lang ersehnten und endlich
erschienenen Gewittern verwehre, den Segen des Regens über seine
Saaten zu ergiessen, und die Wissenschaft scheint ihm darin Recht zu
ertheilen.
Am meisten leidet Hannover von dieser unleidlichen Erscheinung
am deutschen Himmel, wenngleich nicht selten der Wind den garstigen
Dunst bis an die Weichsel und bis zu den Alpen treibt.
„Zersetzte Gewitter“ antwortete man früher, wenn nach der Herkunft
des Höhenrauches gefragt wurde. Heutzutage wissen wir es
besser. Nicht vom Himmel kommt er herab, sondern von der Erde
steigt er auf. Sein Herd liegt vorzüglich in den grossen Mooren des
Herzogthums Aremberg - Meppen, der Niedergrafscbaft Bentheim, sowie
eines Theiles von Ostfriesland und dem Oldenburgischen, Gegenden,
die mit ihren Sümpfen, Mooren und Haiden noch für viele Deutsche ein
völlig unbekanntes Land sind, die gleichwohl einen überaus interessanten
Winkel der Welt ausmachen 2 ).“ Das dort übliche Brennen des Moores
selbst und der darauf begründete Betrieb sind, vorausgesetzt, dass
Wind und Wetter den Moorcolonisten. günstig sind, sehr einfache Operationen,
welche den alten Spruch, dass die Brandcultur nur: „Enen
Tunderpott (Zundertopf) un zween gesunde Arme“ erfordert um dabei
vorwärts zu kommen, so lange wahr erscheinen lassen, bis eben nichts
l) Vergl. auch den Anhang zu diesem Aufsatze S. 395. — 2 ) Vierter Bericht
des Comiiüs zur Unterstützung der Colonisten im Herzogthume Aremberg-Meppen.