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Mangan.
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Anwendung des Braunsteins. Seine hauptsächlichste Ver
wendung findet der Braunstein zur Chlorfabrikation, die in diesem
Werke in einem besonderen Capitel behandelt wird, auf welches wir
hier verweisen J ). Die dabei entstehenden Rückstände enthalten sämmt-
liches Mangan als Chlorür und können sehr gut zur Darstellung reiner
Manganpräparate benutzt werden. Da sich in dieser Manganlauge
aber auch sämmtliehe Verunreinigungen des Braunsteins wiederfinden
und sie ausserdem mit Chlorgas gesättigt ist, so muss man sie erst
einem Reinigungsprocesse unterwerfen. Nach K. J. Bayer 2 ) dampft
man zunächst zur Vertreibung des freien Chlors mit überschüssiger
Salzsäure stark ein, verdünnt wieder und entfernt durch fractionirte
Fällung mit Natriumcarbonat den grössten Theil des Eisenoxydes und
der Thonerde. Um nun die Lösung auch noch von dem Reste des
Eisens sowie von etwa vorhandenem Cobalt und Nickel zu befreien,
filtrirt man sie von dem durch Natriumcarbonat erzeugten Niederschlage
ab und setzt hierauf so lange Schwefelammonium zu, bis ein Theil des
Mangans als Schwefelmangan mit dem Schwefeleisen, Schwefelcobalt
und Schwefelnickel herausgefallen ist. Aus der abfiltrirten Flüssigkeit
erhält man alsdann durch erneuten Zusatz von Schwefelammonium reines
fleischfarbiges Schwefelmangan, welches als Ausgangspunkt für die
Darstellung reiner Manganpräparate dienen kann.
Bekannt ist, dass auch die Glasfabrikanten schon seit langer Zeit
von dem Braunstein eine ausgedehnte Anwendung machen. Derselbe
wird von ihnen zur Erzeugung violetter Glasflüsse benutzt, hauptsäch
lich aber zur Entfärbung des durch Eisenoxydul grün gefärbten Glases.
Für diesen Zweck muss der Braunstein selbst möglichst eisenfrei sein.
Einen solchen eisenfreien Braunstein gewinnt man nach dem combinirten
Regenerationsverfahren für die Sodarückstände aus Manganbrühen von
P. W. Hofmann (vergl. S. 486 dieses Berichts). Ueberhaupt haben
wir in dem Braunstein die unerschöpfliche Quelle vor uns, welche uns
sämmtliehe Manganpräparate direct oder indirect liefert, und also auch
das zur Darstellung des metallischen Mangans fast allein angewendete
Material. Letzteres hat in neuerer Zeit in hohem Grade die Aufmerk
samkeit der Chemiker auf sich gelenkt, und dies wegen der vorzüg
lichen Eigenschaften seiner Legirungen, die es einerseits mit dem
Eisen, andererseits mit Kupfer und Zinn eingeht, und deren Ver-
werthung sich eine grosse Zukunft zu eröffnen scheint. Die Industrie
kann aber erst hoffen aus ihnen Nutzen zu ziehen, wenn man gelernt
haben wird, das Mangan auf bequemere und billigere Weise zu er-
*) Chlor, Brom, Jod und Fluor von Dr. E. Mylius 107. Vergl. auch
den Aufsatz von Dr. F. Tiemann, Die Verwerthung der Sodarückstände
486. 2) Bayer, J. f. pr. Chem. 1872, 443; Chem. Central«. 1871, 499.