MAK

Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

843 
Mangan. 
/ 
Anwendung des Braunsteins. Seine hauptsächlichste Ver 
wendung findet der Braunstein zur Chlorfabrikation, die in diesem 
Werke in einem besonderen Capitel behandelt wird, auf welches wir 
hier verweisen J ). Die dabei entstehenden Rückstände enthalten sämmt- 
liches Mangan als Chlorür und können sehr gut zur Darstellung reiner 
Manganpräparate benutzt werden. Da sich in dieser Manganlauge 
aber auch sämmtliehe Verunreinigungen des Braunsteins wiederfinden 
und sie ausserdem mit Chlorgas gesättigt ist, so muss man sie erst 
einem Reinigungsprocesse unterwerfen. Nach K. J. Bayer 2 ) dampft 
man zunächst zur Vertreibung des freien Chlors mit überschüssiger 
Salzsäure stark ein, verdünnt wieder und entfernt durch fractionirte 
Fällung mit Natriumcarbonat den grössten Theil des Eisenoxydes und 
der Thonerde. Um nun die Lösung auch noch von dem Reste des 
Eisens sowie von etwa vorhandenem Cobalt und Nickel zu befreien, 
filtrirt man sie von dem durch Natriumcarbonat erzeugten Niederschlage 
ab und setzt hierauf so lange Schwefelammonium zu, bis ein Theil des 
Mangans als Schwefelmangan mit dem Schwefeleisen, Schwefelcobalt 
und Schwefelnickel herausgefallen ist. Aus der abfiltrirten Flüssigkeit 
erhält man alsdann durch erneuten Zusatz von Schwefelammonium reines 
fleischfarbiges Schwefelmangan, welches als Ausgangspunkt für die 
Darstellung reiner Manganpräparate dienen kann. 
Bekannt ist, dass auch die Glasfabrikanten schon seit langer Zeit 
von dem Braunstein eine ausgedehnte Anwendung machen. Derselbe 
wird von ihnen zur Erzeugung violetter Glasflüsse benutzt, hauptsäch 
lich aber zur Entfärbung des durch Eisenoxydul grün gefärbten Glases. 
Für diesen Zweck muss der Braunstein selbst möglichst eisenfrei sein. 
Einen solchen eisenfreien Braunstein gewinnt man nach dem combinirten 
Regenerationsverfahren für die Sodarückstände aus Manganbrühen von 
P. W. Hofmann (vergl. S. 486 dieses Berichts). Ueberhaupt haben 
wir in dem Braunstein die unerschöpfliche Quelle vor uns, welche uns 
sämmtliehe Manganpräparate direct oder indirect liefert, und also auch 
das zur Darstellung des metallischen Mangans fast allein angewendete 
Material. Letzteres hat in neuerer Zeit in hohem Grade die Aufmerk 
samkeit der Chemiker auf sich gelenkt, und dies wegen der vorzüg 
lichen Eigenschaften seiner Legirungen, die es einerseits mit dem 
Eisen, andererseits mit Kupfer und Zinn eingeht, und deren Ver- 
werthung sich eine grosse Zukunft zu eröffnen scheint. Die Industrie 
kann aber erst hoffen aus ihnen Nutzen zu ziehen, wenn man gelernt 
haben wird, das Mangan auf bequemere und billigere Weise zu er- 
*) Chlor, Brom, Jod und Fluor von Dr. E. Mylius 107. Vergl. auch 
den Aufsatz von Dr. F. Tiemann, Die Verwerthung der Sodarückstände 
486. 2) Bayer, J. f. pr. Chem. 1872, 443; Chem. Central«. 1871, 499.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.