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Gruppe III. Chemische Industrie.
zeugen, als dies bis jetzt möglich war. Bis heute haben diese Legi-
rungen wegen ihres theuren Gestehungspreises leider noch keine tech
nische Verwendung finden können.
Darstellung des Mangans. Das metallische Mangan lässt
sich auf verschiedene Weise aus seinen Verbindungen isoliren. Man
kann zu seiner Gewinnung mit Brunner 1 ) den Weg einschlagen, auf
welchem das Aluminium erhalten wird, also Manganchlorür oder Man-
ganfluorür durch metallisches Natrium in der Weissglühhitze reduciren.
Oder, wie Giles 2 ) und Roussin 3 ), Manganamalgam (aus Mangan
chlorür mittelst Natrium zu erhalten) in einer indifferenten Gasatmo
sphäre der Destillation unterwerfen, wobei sich das Quecksilber ver
flüchtigt und das Mangan in Form einer schwarzen schwammigen
Masse zurückbleibt. Auch Bunsen’s 4 ) Methode, nach welcher Man-
ganchlorürlösung der Einwirkung eines starken elektrischen Stromes
unterworfen wird, führt zum gewünschten Ziele, allein hauptsächlich
ist es die Eigenschaft der Kohle, bei hoher Temperatur den Mangan-
oxyden ihren Sauerstoff zu entziehen, welche zur Darstellung des
Manganmetalls benutzt wird. Diese letztere Methode ist offenbar auch
für eine Darstellung im Grossen am geeignetsten, da sowohl das Man-
ganoxyd als auch die Kohle leicht und billig in genügender Reinheit
und geeigneter Form zu beschaffen sind. Leider ist aber dieReduction
des Manganoxyds wegen der Schwerschmelzbarkeit und der leichten
Oxydirbarkeit des Manganmetalls eine äusserst schwierig auszuführende
Operation. Die zahlreichen Vorschriften, die gegeben worden sind,
laboriren alle an irgend einem Mangel, welcher ihre Ausbeutung für
industrielle Zwecke unthunlich macht. Entweder war der Erfolg nicht
sicher genug, die Ausbeute zu schlecht, oder die Operation zu zeit
raubend. Nach John mengt man künstliches, durch Glühen von Man-
gancarbonat im verdeckten Tiegel erzeugtes Manganoxyd mit Oel an
und glüht die Masse in einem Tiegel, um das Oel zu verkohlen. Diese
Operation wird mehrere Male wiederholt und schliesslich die schwarze
kohlehaltige Masse, wieder mit Oel zu einem dicken Brei angerührt, in
einen mit Kohle ausgefütterten Tiegel gebracht. Nachdem man den
Tiegelinhalt mit Kohlenpulver bedeckt hat, glüht man zur Zerstörung
desOels etwa ^Stunde beiRothgluth, worauf man ihn etwa V-fa Stun
den der heftigsten Hitze des Gebläseofens aussetzt. Nach dem Erkal
ten des Tiegels findet man das Metall auf dem Boden in Form eines
Regulus, der aber noch nicht aus reinem Metall besteht, sondern grössere
oder kleinere Mengen Kohle und Silicium enthält. Durch Umschmelzen
im Kohletiegel unter einer Decke von Borax kann es gereinigt werden.
*) Brunner, Pogg. Ann. CI, 264. 2 ) Giles, Phil. Mag. [47] XXV,
328. 3 ) Boussin, Zeitschr. f. anal. Chem. VI, 100. 4 ) Bunsen,Pogg. Ann.
XCI, 619.