852
Gruppe III. Chemische Industrie.
Darstellung der Manganate und Permanganate. Die älte
ren Vorschriften vonWöhler, Gregory und Böttger mussten erst ver
schiedene Modificationen erfahren, ehe sie den Anforderungen der 1 ech-
nik an ein gutes Verfahren in allen Fällen genügen konnten. Sie gehen
zu häufig schlechte Ausbeuten, welches wenigstens zum Theil in dem
ungleichen Gehalt des angewendeten Manganerzes an Mangansuper-
oxyd, zum Theil auch in der Schwierigkeit begründet ist, den Braun
stein in ein unfühlbares Pulver zu verwandeln. Zur Vermeidung dieser
Uebelstände wendet Graeger l ) statt des natürlichen ein künstliches
Manganoxyd an, welches er aus den bei der Chlorbereitnng abfallenden
Laugen durch Fällen mit kohlensaurem Natrium (nachdem vorher durch
Zusatz einer genügenden Menge des kohlensauren Alkalis das Eisen
entfernt worden war) und Glühen des entstandenen Mangancarbonats
erhält. Er schmilzt 130 Thle. dieses Manganoxydes mit 184 Thln.
Kaliumhydroxyd unter Zusatz von 100 Thln. chlorsaurem Kalium, wobei
eine Umsetzung nach folgender Gleichung vor sich geht:
Mn 2 0 3 + KC10 3 + 4 H KO = 2 K Mn 0 4 4-KC1+ 2 H 2 0.
Aus 1 Mol. Manganoxyd entstehen also 2 Mol. Kaliummanganat.
Die oben angeführten Gemengtheile entsprechen ungefähr den aus
obiger Gleichung sich theoretisch ableitenden Verhältnissen. Um das
Kali, welches möglichst kohlensäurefrei angewendet werden muss, in
innige Berührung mit dem Manganoxyd zu bringen, empfiehlt es sich,
die nöthige Menge einer dem Gehalte nach bekannten Kalilauge mit
dem chlorsauren Kalium rasch einzudampfen, während man das Mau-
ganoxyd unter Umrühren einträgt. Die eingetrocknete Masse wird
dann höher erhitzt, wobei sie schmilzt, und 1 / i Stunde in schwacher
Kotbgluth erhalten. Die Schmelze enthält mangansaures Kalium und
löst sich in Wasser mit grüner Farbe auf. Um das mangansaure
Salz in übermangansaures überzuführen, leitet man durch eine wässerige
Lösung einen Strom Kohlensäuregas, bis ein Tropfen auf weissem Fil-
trirpapier einen rein rothen Fleck hinterlässt, und dampft alsdann die
durch Marmor filtrirte Flüssigkeit zur Krystallisation ab.
Entsprechend dieser Graeger’sehen Vorschrift zur Darstellung
des übermangansauren Kaliums wird nach der Pharm. Centralhalle -)
übermangansaures Natrium durch Erhitzen von 12 Thln. Natrium
hydroxyd mit 10 Thln. chlorsaurem Kalium und 18 Thln. feingepul
vertem Braunstein erhalten. Man wird auch hier vortheilhaft die
12 Thle. festen Natriumhydroxyds durch 36 Thle. einer möglichst kohlen
säurefreien Lauge von P337 Vol.-Gew. oder 34 Thle. einer solchen von
i) Graeger, Journ. f. prakt. Chem. XGVI, 169. Polyt. Central«. 1866,
137. Chem. Central«. 1866, 47. 2 ) Vergl. auch Wagn. Jahresber. 1863,
356; 1865, 363,