390
Gruppe III. Chemische Industrie.
da auch der Viehbesitz, der sicherste Maassstab landwirtschaftlicher
Prosperität, sich ständig vermindert und dieser chronische Noth- und
Hungerstand findet sich auf Gebieten von enormer Ausdehnung, denn
nach Griesebach enthält das Böurtanger-Moor allein 56 Quadratmei
len, die Moore im Meppenschen und Bentheimschen 23 Quadratmeilen,
die in Ostfriesland 36 Quadratmeilen. Dass so traurige Zustände sowohl’
Regierungen als Private vielfach beschäftigten und zur Abhilfe mahn
ten , liegt auf der Hand, indess boten sich hier theils in der durch die
Noth entstandenen Indolenz der Bevölkerung, theils in den unerquick
lichen politischen Verhältnissen, welche bis zum Jahre 1866 in Deutschland
herrschten, mannichfaltige Schwierigkeiten. Der Plan, die ostfriesischen
Moore in derselben Weise abzutorfen und zucanalisiren — ve rveenen —,
wie dies mit glänzendstem Erfolge in Holland geschehen war, erforderte
neben langer Zeit bedeutende Mittel, die der früheren hannoverschen
Regierung nicht zu Gebote standen und bot, auch bedeutende Schwie
rigkeiten wegen des Mangels grösserer Städte und naher Industrie-
distncte, nicht genügend gesicherten Massenabsatzes des dabei gewonne
nen Torfes und der aus demselben Grunde fehlenden Rückfrachten an
städtischem Dünger, Strassenkehricht etc., welchem die holländischen
Veenwirthschaften ihre Prosperität in erster Stelle verdanken. Wenn es
trotzdem gelungen ist, für diese schwierige Aufgabe eine Lösung zu finden,
so. gebührt der Dank dafür in erster Stelle den Untersuchungen von
Liebig, Nägeli undZöller 1 ), sodann aber den rastlosen Bemühungen
zweier Männer der Praxis, dem Herrn Rimpau auf Cunrau und
W. Peters in Osnabrück. Liebig, Nägeli und Zöller hatten nacli-
gewiesen, dass Torf, nachdem er mit den ihm fehlenden Mineralstoffen
durch Absorption versehen war, einen vorzüglichen Boden selbst für
die anspruchvollsten Culturgewächse — Taback, Bohnen etc. — bietet;
diese rem theoretischen, aber mit grosser Präcision durchgeführten
■ I)le Chemie in ihrer Anwendung auf Agricultur und Physio
logie, SAufl. II, lll u. f. Ueber Moorcultur etc. findet der sich dafürInter-
essireude Näheres in der Zeitschrift für Cultur des Moor- und Haidebodens
redigirt von W. Peters, Osnabrück. - W.Peters: Die Haideflächen Nord
deutschlands, Hannover, Carl Mayer. — Willi. Wicke: Die Haide, ihre
Bewohner und ihre wirthschaftliehe Nutzung. Göttingen. — G A Venema-
De Hooge Veenen en het Veenbranden, Harlem. A. C. Krasemann — W.
Peters: Zusammenstellungen einiger Erfahrungen und Ansichten über Beseiti
gung des Höhenrauches, Osnabrück. - W. Peters : Die moderne Moorcultur.
Osnabrück 1873. — E. Marcard: Ueber die Canalisirung der Hochmoore
Osnabrück. — Werthvolle Arbeiten und Untersuchungen hierüber finden sich
ferner in dem von Prof. W. Henneberg redigirten Journal für Landwirth-
senaft, Gottmgen, sowie in der Zeitschrift des Landw. Centralvereins der
Prov. Sachsen 1874, Nr 2 und 3, in den Publicationen der dänischen Haide
gesellschaft — Danske Hedeselskabet — und in den in Deutschland leider zu
wenig bekannten agriculturchemischen Publicationen von Prof. J, van Bern-
melen früher in Groningen, jetzt in Leyden.