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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
da auch der Viehbesitz, der sicherste Maassstab landwirtschaftlicher 
Prosperität, sich ständig vermindert und dieser chronische Noth- und 
Hungerstand findet sich auf Gebieten von enormer Ausdehnung, denn 
nach Griesebach enthält das Böurtanger-Moor allein 56 Quadratmei 
len, die Moore im Meppenschen und Bentheimschen 23 Quadratmeilen, 
die in Ostfriesland 36 Quadratmeilen. Dass so traurige Zustände sowohl’ 
Regierungen als Private vielfach beschäftigten und zur Abhilfe mahn 
ten , liegt auf der Hand, indess boten sich hier theils in der durch die 
Noth entstandenen Indolenz der Bevölkerung, theils in den unerquick 
lichen politischen Verhältnissen, welche bis zum Jahre 1866 in Deutschland 
herrschten, mannichfaltige Schwierigkeiten. Der Plan, die ostfriesischen 
Moore in derselben Weise abzutorfen und zucanalisiren — ve rveenen —, 
wie dies mit glänzendstem Erfolge in Holland geschehen war, erforderte 
neben langer Zeit bedeutende Mittel, die der früheren hannoverschen 
Regierung nicht zu Gebote standen und bot, auch bedeutende Schwie 
rigkeiten wegen des Mangels grösserer Städte und naher Industrie- 
distncte, nicht genügend gesicherten Massenabsatzes des dabei gewonne 
nen Torfes und der aus demselben Grunde fehlenden Rückfrachten an 
städtischem Dünger, Strassenkehricht etc., welchem die holländischen 
Veenwirthschaften ihre Prosperität in erster Stelle verdanken. Wenn es 
trotzdem gelungen ist, für diese schwierige Aufgabe eine Lösung zu finden, 
so. gebührt der Dank dafür in erster Stelle den Untersuchungen von 
Liebig, Nägeli undZöller 1 ), sodann aber den rastlosen Bemühungen 
zweier Männer der Praxis, dem Herrn Rimpau auf Cunrau und 
W. Peters in Osnabrück. Liebig, Nägeli und Zöller hatten nacli- 
gewiesen, dass Torf, nachdem er mit den ihm fehlenden Mineralstoffen 
durch Absorption versehen war, einen vorzüglichen Boden selbst für 
die anspruchvollsten Culturgewächse — Taback, Bohnen etc. — bietet; 
diese rem theoretischen, aber mit grosser Präcision durchgeführten 
■ I)le Chemie in ihrer Anwendung auf Agricultur und Physio 
logie, SAufl. II, lll u. f. Ueber Moorcultur etc. findet der sich dafürInter- 
essireude Näheres in der Zeitschrift für Cultur des Moor- und Haidebodens 
redigirt von W. Peters, Osnabrück. - W.Peters: Die Haideflächen Nord 
deutschlands, Hannover, Carl Mayer. — Willi. Wicke: Die Haide, ihre 
Bewohner und ihre wirthschaftliehe Nutzung. Göttingen. — G A Venema- 
De Hooge Veenen en het Veenbranden, Harlem. A. C. Krasemann — W. 
Peters: Zusammenstellungen einiger Erfahrungen und Ansichten über Beseiti 
gung des Höhenrauches, Osnabrück. - W. Peters : Die moderne Moorcultur. 
Osnabrück 1873. — E. Marcard: Ueber die Canalisirung der Hochmoore 
Osnabrück. — Werthvolle Arbeiten und Untersuchungen hierüber finden sich 
ferner in dem von Prof. W. Henneberg redigirten Journal für Landwirth- 
senaft, Gottmgen, sowie in der Zeitschrift des Landw. Centralvereins der 
Prov. Sachsen 1874, Nr 2 und 3, in den Publicationen der dänischen Haide 
gesellschaft — Danske Hedeselskabet — und in den in Deutschland leider zu 
wenig bekannten agriculturchemischen Publicationen von Prof. J, van Bern- 
melen früher in Groningen, jetzt in Leyden.
	        
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