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Gruppe III. Chemische Industrie.
oder alkalische Erden enthalten als es immer will; das einzige wirk
lich praktische Nickelbad ist aber ein aus vollkommen neutralem,
kein fixes Alkali oder alkalische Erde enthaltendem Schwefelsäuren
Nickelammonium bereitetes, da sich nur dieses mit der positiven
Elektrode aus reinem Nickel fortwährend selbst ersetzt ohne sauer oder
alkalisch zu werden, während alkalihaltende Bäder Nickeloxyd auf
der Anode ansetzen und selbst sauer werden, was zu fortwährender
Correction der Bäder und zu unregelmässigen und schlechten Produc-
ten führt.
Folgendes Verfahren hat uns stets gleichmässig gute Resultate
gegeben' und die Bäder erlitten bei monatelangem Gebrauche keine
Veränderungen:
Möglichst kupfer- und arsenfreies Nickel wird in Schwefelsäure
gelöst und die saure Lösung in eine Lösung von Ammoniumsulfat
gegossen, wobei wenn die Lösungen nicht gar zu verdünnt und hin
reichend sauer waren, fast alles Nickel als reines Nickelammonium
sulfat ausfällt oder auskrystallisirt, während etwa im Nickel enthalte
nes Kobalt, Eisen oder Kupfer in Lösung bleiben. — Der Krystallbrei
wird mit kaltem Wasser etwas gewaschen und dann in kochendem
Wasser gelöst, die Lösung genau mit Ammoniak neutralisirt und das
Dojspelsalz krystallisiren gelassen, oder die Lösung wird sogleich der
Art mit Wasser verdünnt, dass sie bei 20 bis 25° concentrirt ist.
Eine solche bei 20 bis 25° C. concentrirte Lösung dieses neutralen
Ammoniumdoppelsalzes dient als Vernickelungsbad, welches sich bei
einer Elektrode aus reinem Nickel stets selbst ersetzt, stets seine
Neutralität behält und immer gleichmässige Producte liefert; es ist
hierbei nur zu bemerken, dass die Temperatur des Bades immer nahezu
die gleiche bleiben muss, sinkt die Temperatur stark, so krystalli-
sirt Nickelsalz auf die zu vernickelnden Gegenstände aus, die Krystalle
werden zu Nickel reducirt und in Folge dessen wird der Nickelüber
zug nicht gleichmässig fest anhaftend, sondern schiefert sich ab.
Die Batterie braucht nicht sehr stark zu sein, dagegen ist es
vortheilhaft um schnell zu arbeiten, dass die positiven Elektroden aus
reinem Nickel eine möglichst grosse Oberfläche haben. Die Darstellung
dieser Elektroden aus reinem Nickel bietet, der Schwerschmelzbarkeit
des Nickels wegen, einige Schwierigkeiten.
Ein deutscher Fabrikant kohlt das Nickel stark, um es leichter
Schmelz- und giessbar zu machen ; die sehr hübschen aus starkgekohl
tem Nickel dargestellten Platten geben als Elektroden benutzt sehr
schöne Producte, nutzen sich aber beim Gebrauch ungemein schnell
ab. Das stark gekohlte Nickel hat ein strahlig-krystallinisches Gefüge
und wird, wahrscheinlich in Folge eines ungleichmässig vertheilten
Kohlenstoffgehaltes, unregelmässig angegriffen, in Folge dessen fallen
schuppenartige oder krystallähnliche Theile von der Anode in ziem-