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Gruppe III. Chemische Industrie.
rung des häufigen Ausfrierens der Pflanzen; und endlich wird 3. das
dichte Zusammentrocknen der oberen Moorschichten, welches dieselben
für Wasser und Luft nahezu undurchdringlich macht, beseitigt. In
chemischer Beziehung wirkt die Anlage der Gräben wie eine Verbren
nung bei gewöhnlicher Temperatur; in dem der Einwirkung der Luft
zugänglich gemachten Moore findet eine sehr kräftige Oxydation statt,
die im Moorboden enthaltenen Säuren — Humin-, Ulmin- und Quell-
sauren — werden zu Kohlensäure verbrannt, der zum Theil ebenfalls
m für die Pflanzenernährung unlöslicher Form befindliche Stickstoff
wird nach und nach zu salpetersauren Verbindungen oxydirt und der
ganze, vorher so werthlose, kalte und nasse Boden ist nach kurzer Zeit
in einen milden, der besten, wärmsten Blumenerde gleichen Acker um
gewandelt. Auf den solcher Gestalt vorbereiteten Acker brachte nun
Rimpau behufs Ergänzung der fehlenden mineralischen Pflanzen-
nahrstoffe eine reichliche Düngung von Kali und magnesiahaltigen
Stassfurter Salzen — sogenannte rohe schwefelsaure Kalimagnesia —
und bestellte ihn dann mit allen möglichen Culturpflanzen, aber
derart, dass er nur die obere schwache Sandschicht aufpflügte und
zur Einsaat benutzte. In diesem Sande, welcher nach der Analyse
ergiebt:
98'145 in heisser Salzsäure unlöslicher 1 ,,.
0'915 „ „ „ löslicher j Mmeralbestandtheile
0'39 Wasser
0'55 Glühverlust (organische Stoffe)
also an sich nahezu als unfruchtbar betrachtet werden kann, entwickeln
die jungen Pflanzen mit Hilfe der im Samenkorn aufgespeicherten
Nährstoffe ihre ersten Keime und Wurzeln, um letztere dann, nachdem
sie einigermaassen ausgebildet sind, in die unter dem Sande liegenden,
an Nährstoffen reichen Moorschichten hinabzusenden und durch
deren Zuführung dann ein überaus üppiges Wachsthum der Pflanzen
zu bewirken. Auf solche Weise hat Rimpau mit seinen Moordamm-
culturen binnen zehn Jahren aus einem Sumpfe, der kaum genügend
saures Gras trug, um das darauf weidende Vieh — in den paar Sommer
monaten, in denen er überhaupt nur zugänglich war — zu ernähren,
Ackerboden geschaffen, welcher bezüglich seiner Erträge mit den ge
segnetsten Landstrichen rivalisirt; mächtige Breiten mit Raps, Senf,
Erbsen, Weizen, Chevaliergerste, Rüben und Klee dehnen sich bereits
über eine Fläche von 1000 Morgen (250 Ha) aus und immer neue
Flächen werden für diese Culturen in Angriff genommen. So über
zeugend nun also durch Rimpau Liebig’s Forschungen über die
Brauchbarkeit des Moorbodens bei richtiger Beobachtung der physi
kalischen und chemischen Erfordernisse bestätigt waren, so fehlte es
doch wie immer nicht an Solchen, welche die erzielten Erfolge, die sie