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Gruppe III. Chemische Industrie.
in Kilns abgerösteten Rammeisberger Kupfererze, zuFahiun in Schweden
für arme kiesige Kupfererze u. s. w., für kupferhaltigen Spateisenstein 4 )
durch Rösten mit Schwefelkies und Kochsalz u. s. w.). Erze mit 5 bis 6 Proc.
Blei lassen sich nach diesem Verfahren bei vorsichtiger Röstung noch
behandeln und aus den Chlorblei und Bleisulfat enthaltenden Rück
ständen wird in England auf die Weise Blei gewonnen, dass man die
selben mit Kalk und Kohle in Schachtöfen und auf jede Lage eine Schicht
Chlorcalcium bringt. Es entströmt dem Auge des Ofens eine dünnflüssige
Masse, welche in einem Sumpfe Blei und darüber eine dickflüssige kalk
haltige Schlacke absetzt, während das Chlorcalcium dünn wie Wasser
weiter fortfliesst und wieder mit aufgegeben wird. Fehlt dasselbe in
der Beschickung, so geben die porösen Massen lauter kleine Bleikügelchen,
welche nicht Zusammengehen und leicht wegrauchen. Die Gewinnung eines
Silbergehalt aus der kupferhaltigen Lauge nach dem CI au d et’sehen
Verfahren 2 ) mittelst Jodkaliums gelingt nicht immer, namentlich nicht
wenn zu viel Kochsalz in der Lauge vorhanden ist. Man gelangt
in England besser zum Ziele, wenn man die silber - und kupferhal
tige Lauge durch Eisen laufen lässt, die obere silberreichere Lage des
gefällten Kupfers von der silberärmeren unteren abnimmt, dieselbe mit
Kupferchloridlösung löst, wobei sich Kupferchlorür und Chlorsilber
bilden, diese in Kochsalzlauge auflöst und aus derselben das Silber durch
Kupfer fällt. Beim Einleiten von Schwefelwasserstoffgas in die Kupfer
silberlösung fällt zuerst Silber neben wenig Kupfer aus 3 ). Die endlichen
Rückstände von den extrahirten Kiesabbränden fallen so arm an Schwefel
aus, dass man sie auf Roheisen 4 ) und Eisenschwamm zum Fällen des
Cementkupfers 5 ), sowie zum Ausfüttern des Puddelofenheerdes ver
wenden kann.
Kopp 6 ) hat vorgeschlagen, die Kiesabbrände einige Zeit der Luft
und Feuchtigkeit auszusetzen, mit einer Lösung von Kochsalz zu be
sprengen, dann dieselben mit einem Gemisch von Kochsalzlösung und
Salzsäure zu extrahiren.
Zu Stephanshütte 7 ) in Ungarn wird mit Lech geröstete Kupfer
speise mittelst warmer coneentrirter Kochsalzlauge extrahirt, aus der
Lösung erst das Silber durch Kupfer, dann letzteres durch Eisen gefällt.
c) Kupferlegirungen, namentlich Schwarzkupfer, werden bei
einem Gehalt an edlen Metallen in granulirtem Zustande unter Luft
zutritt mit warmer verdünnter Schwefelsäure behandelt, wobei unter
Abscheidung von Gold, Silber und wohl Bleisulfat Kupfervitriol gewonnen
*) Berg- u. Hüttenm. Ztg. 1872, 364. 2 ) Claudet, Wagn. Jaliresb.
1871, 100, 137. 3 ) Dingl. pol. J. CCXIV, 464. 4 ) Berg- u. Hüttenm. Ztg.
1871, 120. 5) DingL poL j. CLXIII, 460; CCIV, 288. Berg- u. Hüttenm.
Ztg. 1872, 149. e ) Kopp, Dingl. pol. J. CXCIX, 403. 7 ) Berg- u. Hüt
tenm. Ztg. 1866, 82, 133.