394
Gruppe III. Chemische Industrie.
wissenschaftlicher Erörterung, sondern wirthschaftlicher Berech
nung. Jedenfalls ist es ein Gewinn für die Landwirthschaft, dass sie
dort, wo ihr andere Quellen des Kalis jetzt nicht zu Gebote stehen, in
dem Stassfurter und Kaluszer Mineralvorkommen einen unerschöpflichen
Vorrath zur Hand hat. Dass dieses erkannt wird, beweist der ständig
zunehmende Verbrauch der Kalisalze nicht nur yon Seiten der euro
päischen Landwirthschaft, sondern auch von überseeischen Culturstätten.
Wie von den Guanoinseln und Salpeterlagern Perus und Chilis Schiffs
ladungen mit stickstoffhaltigen Düngstoffen, von der Mejillones - Bai,
der Sombrero- und Bakerinsel Phosphate den europäischen Feldern zu
geführt werden, so gehen auch jetzt schon Stassfurter Kalisalze nach den
Kaffeeplantagen in Ceylon und inBrasilien, nach den Tabacksfeldern der
Habana und von Louisiana, nach den Klee- und Maisfeldern der Nördl.
Vereinigten Staaten wie nach den Baumwollpflanzungen des Südens. —
Es ist auch in socialer und politischer Beziehung nicht ohne Interesse,
dass namentlich in den südlichen Vereinigten Staaten seit Aufhebung
jeder Sklavenarbeit die Verwendung künstlicher Düngmittel einen
enormen Aufschwung genommen hat. Die Plantagenbesitzer waren
früher im Stande, extensive Wirthschaft zu treiben, eventuell auch,
wenn eine gegebene Fläche nicht mehr entsprechend lohnte, die ihnen
gehörigen Ai'beiter nach neuen Gebieten zu versetzen; nach der Eman-
cipation der Neger konnten aber die Felder nur dort bebaut werden,
wo freie Arbeiter zur Disposition standen, und es folgte daraus von
selbst eine mit allen Hilfsmitteln der Wissenschaft ausgerüstete inten
sivere Bewirthschaftung der Aecker. Als höchst interessant, wenn auch
erst in den Anfängen begriffen, müssen endlich auch noch die Versuche
bezeichnet werden, bei Forstculturen, namentlich bei Pflanzengärten
und Spiegeleichenforsten — Schaelwaldungen — die Kalidüngmittel
anzuwenden. Die königliche Forstakademie zu Neustadt-Eberswalde
hatte die ersten Uesultate dieser wichtigen Experimente auch in Wien
zur Anschauung gebracht.
Soviel über die Kalidüngmittel in ihrer directen Verwendung.
Erwähnung mag es hier noch verdienen, dass die Stassfurter Kaliindustrie
der Landwirthschaft auch indirect von nicht unwesentlichem Nutzen
gewesen ist, indem sie zunächst die grossen Massen von Ammonium-
sulfat, welche früher gewissermaassen nutzlos in der Alaunfabrikation
Verwendung fanden, für die Landwirthschaft frei machte, da bei den
jetzigen niedrigen Preisen der Kalisalze fast ausschliesslich wieder
Kalialaun dargestellt wird; nicht minder hat die Darstellung des auch
für die Landwirthschaft so wichtigen Chilisalpeters einen enormen Auf
schwung genommen, seitdem der grösste Theil des in der Welt ge
hrauchten Kalisalpeters aus Chlorkalium und salpetersaurem Natrium
bergestellt wird, und hat die so vermehrte und verbesserte Production
auch eine entsprechende Preisherabsetzung des Chilisalpeters herbei-