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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

lJ 06 Gruppe III. Chemische Industrie. 
von Petroleumäther (Rhigolene, Gasoline) vor, wobei ein aus lockeren 
Schuppen bestehendes, in einer Atmosphäre von Petroleumdämpfen 
abzukühlendes Präparat erfolgt, wenn man das Kupferoxyd in der 
Schuppenform anwendet, wie es in der organischen Analyse benutzt 
wnd. Sonstige Darstellungsmethoden sind noch: Glühen eines Gemenges 
von Kupferchlorür mit Soda und Salmiak; Fällen einer Lösung von 
essigsaurem Kupfer mit schwefliger Säure; Zersetzen von Kupferoxydul 
mit Schwefelsäure; Elektrolyse einer Kupfervitriollösung; Fällen einer 
Kupfervitriollösung mit von Fliesspapier oder Baumwollenstoff umhüll 
ten Stangen von Stabeisen; Erhitzen einer ammoniakalischen Kupfer- 
lösung mit Traubenzucker und Kali. 
Das Kupferpulver dient, durch Zink- oder Cadmiumdämpfe cemep- 
tirt, zur Darstellung von Bronzefarben, zur Bereitung von Kupfer 
amalgam u. dergl. 
Kupfer oxyde. Kupferoxydul. Ein schönes wasserfreies 
Präparat zum Glasfärben erfolgt nach Böttger 1 ) durch Auflösen von 
1 1 bl. Kupfervitriol, 1 1 / 2 Thln. Seignettesalz (weinsaures Kaliumnatrium) 
und 2 Thln. weissem Bohrzucker in einer Porcellansehale in 12 Thln. 
destillirtem Wasser, Erhitzen unter Umrühren, Zusatz von iy s Thln. 
Aetznatron, etwa einstündiges Kochen, bis die dunkelblaue Flüssigkeit 
farblos geworden, Decantiren der über dem abgeschiedenen Kupferoxydul 
stehenden Flüssigkeit, mehrmaliges Aussüssen des Präparates auf einem 
Filter, Auswaschen mit Alkohol und Trocknen. — Gleiche Gewichts- 
theile Kupferoxyd und kohlensaures Ammonium innig gemengt und über 
dem einfachen Bunsen’sehen Brenner in einer Glasröhre bis zum Auf 
horen des Ammoniakgeruches erhitzt, geben nach Schiff' 2 ) leicht zer- 
reibliches Kupferoxydul, bei grösserer Menge kohlensauren Ammoniums 
aber metallisches Kupfer. — Das Kupferoxydul zersetzt die Lösungen 
von Chlormagnesium, Chlorzink, Manganchlorür u. s. w. unter Abschei 
dung von Oxydhydraten der betreffenden Metalle und Bjjdung von lös 
lichen Doppelsalzen; mit Eisenchlorür giebt dasselbe Eisenoxyd, Kupfer 
chlorür und metallisches Kupfer, während Kupferoxyd mit Eisenchlorür 
Kupferchlorid, Kupferchlorür und Eisenoxyd erzeugt (Grundlage des 
Douglasprocesses 3 ) zur Kupfergewinnung). 
Kupferoxydul ammoniak ist nach Wagner 4 ) ein sehr kräf 
tiges Reductionsmittel und kann unter Anderem zur Herstellung von 
Silberspiegeln, zur Fällung des Silbers für technische und analytische 
Zwecke, sowie zur Ueberführung des Nitrobenzols in Anilin dienen. — 
Die schon von Schweitzer beobachtete Löslichkeit von Cellulose in 
Kupferoxydammoniak zeigt sich besonders nach Skey 5 ) bei 
dessen Einwirkung auf Filtrirpapier. 
!) Böttger, Bingl. pol. J. CLXXI, 78. 2 ) Schiff, Wagn. Jahresber. 
1864, 274. 3 ) Wagn. Jahresber. 1870, 112. 4 ) Wagner, Wagn. Jahresber. 
1863, 368. 6 ) Skey, Wagn. Jahresber. 1867, 551.
	        
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