MAK

Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

914 Gruppe III. Chemische Industrie. 
grossartigstem Maassstahe ausgeführt. Die Verwüstungen jedoch, welche 
die Säuredämpfe in der umliegenden Vegetation anrichten, zwingen die 
Hüttenbesitzer immer mehr, diese Uebelstände zu beseitigen. Es ist zuerst 
Dr. Hasenclever, Generaldirector der chemischen Fabrik Rhenania 
zu Stolberg gewesen, welcher in den fünfziger Jahren Versuche anstellte, 
die aus den Flammöfen entweichende schweflige Säure behufs Darstel 
lung von Schwefelsäure in die Bleikammern zu leiten, Versuche, die 
jedoch im grossen Ganzen fehlschlugen. Die Schwierigkeit, mit der 
die Blende abröstet, verlangt, dass dieselbe erstens im feingekörnten 
Zustande sich befinden und zweitens während des Röstprocesses fort 
während umgerührt werden muss, ein Umstand, durch welchen eine 
zu grosse Menge atmosphärischer Luft den Schwefelsäurekammern zu 
geführt wurde. 
Um diese Uebelstände zu beseitigen, wurde der von Gersten- 
höfer construirte Ofen zum Rösten der Blende empfohlen und solcher 
auf der chemischen Fabrik Rhenania auch eingeführt, jedoch wieder 
■aufgegeben, indem die Abröstung nur unvollständig erfolgte, eine grosse 
Menge Flugstaub auftrat und nach Untersuchungen von Trainer 1 ) 
eine zu grosse Menge von schwefelsaurem Zink gebildet wurde. 
Von Hasenclever und Helbig 2 ) ist nun speciell für das Rösten 
der Blende ein Ofen construirt, der nach manchen Wandlungen sich in 
der heutigen Gestalt in der Praxis bewährt hat und überall, wo er 
eingeführt ist, zufriedenstellende Resultate giebt. Derselbe besteht aus 
einer unter 43 Grad geneigten Platte, auf der das Erz von oben nach 
unten geführt wird, um von hier aus in eine horizontale Muffel zu 
gelangen, aus welcher es schliesslich auf die Sohle eines Flammherdes 
fällt und dort den Feuergasen direct ausgesetzt wird. Letztere streichen 
demgemäss zuerst über die fagt abgeröstete Blende, umspülen hierauf 
die Muffel und gehen dann unter der geneigten Platte von unten nach 
oben, wo angekommen sie nach der Esse geführt werden. Die auf der 
geneigten Platte und in der Muffel gebildete schweflige Säure wird in 
die Bleikammern geleitet, die auf dem Flammherde gebildete geht mit 
den Feuergasen in die atmosphärische Luft. 
In der chemischen Fabrik Rhenania werden Blenden abgeröstet von 
durchschnittlich 25 p. C. Schwefelgehalt. Von diesen 25 p. C. gelangen 
als schweflige Säure 18 p. C. in die Kammern, 6 p. C. entweichen in 
die atmosphärische Luft und 1 p. C. bleibt in dem Röstgut. 
Die Zinkwerke des Märkisch - Westfälischen Bergwerkvereins zu 
Lethmathe, welche ebenfalls den Hasen clever-Helbig’sehen Ofen 
* !) Trainer, Zeitschr. des Vereins deutscher Ingenieure 1868, 686; Wagn. 
Jahresber. 1870, 143. 2 ) Hasenclever und Helhig, Zeitschr. des Vereins 
deutscher Ingen. 1872, 505. Vergl. auch den Aufsatz über Fabrikation der 
Schwefelsäure v. II. Hasenclever, S. 162 d. Berichtes.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.