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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
der Flammofenprocess seit zehn Jahren eingeführt ist, enthalten die 
Rückstände 40p.C. Blei und das Bleiausbringen stellt sich auf 87'5 p.C. 
Von grosser Bedeutung sind in neuerer Zeit die Bleiwerke der 
Rheinprovinz geworden, welche zum Theil den im bunten Sandstein 
eingesprengten Bleiglanz der Eifel verhütten und im Jahre 1868 
39 753 650 Kg Erze zu Gute machten, denn der Bleiberg von Gommern 
hat allein mehr als 22 Mill. davon geliefert. Auf den Hütten von 
Mechernich und Münsterbusch bei Stolberg werden die Erzschliche auf 
dem 30 m langen Herd eines und desselben Flammofens, nachdem sie 
die Röstperiode durchlaufen haben, zum vollkommenen Schmolzen ge 
bracht, und das Product, eine braune glasige Masse, wird sodann abge 
stochen. Dieselbe enthält noch etwa 1 p. C. Schwefel, entsprechend 7 
bis 8 p. C. Bleiglanz und wird über Schachtöfen verschmolzen, indem 
man sie mit 50 p. C. Eisenfrischschlacken und 50 p. C. Kalkstein be 
schickt. Die Producte sind Blei, Bleistein und Schlacken, von denen 
jener, da er etwa 10 p. C. Blei enthält, wiederholt geröstet und ge- 
schmolzen wird, bis der Bleigehalt des zuletzt fallenden Steins nur 
noch 2 p. C. beträgt. 
Dieses Verfahren ist durch die wesentliche Beimengung von Quarz- 
Substanz in dem Erzschlich bedingt, in Folge dessen auf dem Herd 
des Ofens ein leicht schmelzbares Bleisilicat entsteht. Offenbar wirkt 
die Kieselsäure sehr kräftig zur Entfernung des Schwefels. Die Zer 
setzung dieses Bleisilicats durch basische Schlacken, durch die Oxyde 
des Eisens und durch Kalk unter Mitwirkung der Ofengase ist leicht 
zu verstehen. 
Die Niederschlagsarbeit. Das Princip dieses Verfahrens ist 
bekanntlich die Zerlegung des Schwefelbleics durch Eisen. Die Erfah- 
run g hat jedoch gezeigt, dass die Zerlegung niemals vollständig ist, 
und Versuche von Nolte ergaben, dass im günstigsten Fall n /, 2 des 
Bleies erhalten werden, so dass in jedem Fall die weitere Verhüttung 
des Bleisteins ein wesentlicher Theil des Processes ist. 
In seinen Hauptpunkten ist derselbe lange Zeit unverändert ge 
blieben. In neuerer Zeit hat man indessen sowohl das Verfahren selbst 
als auch die Construction der Oefen ganz wesentlich modificirt, wovon 
der Oberharz wohl das interessanteste Beispiel liefert. 
Der alte und mit Recht berühmte Bergbau des Harzes fördert 
Bleiglanz, dessen Gangvorkommen die Gegenwart von Schwefelkies, 
Kupferkies, Zinkblende, Fahlerz, Bournonit etc. bedingt, so dass ausser 
dem Silbergehalt Kupfer, Zink, Antimon eine gewisse Rolle spielen. 
Seit langer Zeit wurden die Erze in Schachtöfen (Hohöfen) dem Schlich 
schmelzen unterworfen, der dabei fallende Stein wurde wiederholt ge 
röstet und geschmolzen, bis er nach Abscheidung eines Theils Blei so 
reich an Kupfer erschien, dass er als Kupferstein in die sogenannte
	        
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