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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
hierauf Quecksilber, und versetzte das Ganze durch eine Rührvorrich 
tung in lebhafte Bewegung. Das im Waschbottich gesammelte Amalgam 
wurde destillirt, Gold und Silber aber durch Salpetersäure geschieden. 
Die Resultate dieser Versuche, denen ersichtlich dasPrincip der amerika 
nischen Amalgamation zum Grunde liegt, scheinen für die verschiede 
nen Erzsorten sehr ungleich ausgefallen zu sein. Sie haben den 
amerikanischen Verfasser zu einem Rückblick auf die Theorie jener 
Amalgamation veranlasst, welche bekanntlich zu verschiedenen Ansich 
ten geführt hat 1 ). Allein sowohl aus den in Washoe selbst gesammel 
ten Erfahrungen, als auch aus den erwähnten Versuchen geht deutlich 
hervor, dass der Magistralzusatz bei diesen Erzen grossentheils ganz 
entbehrlich ist, und dass durch Quecksilber allein die Ausbeute an Sil 
ber nicht vermindert wird. 
Der amerikanische Verfasser ist geneigt, dem Eisen bei dieser 
Pfannen- oder Kochsalzamalgamation einen wesentlichen Einfluss zuzu 
schreiben; es zersetze Chlorsilber und Quecksilberchlorür, beschleunige 
überhaupt im Contact mit Quecksilber die Zersetzung des Schwefel 
silbers. In der That ist nicht die Oberfläche der Pfannen allein, son 
dern auch das von den Pochstempeln herrührende Eisen in der Erz 
masse selbst als wirksam zu denken. 
Wenn Kupferchlorid bei dem Washoe-Process nicht wesentlich ist, 
so deutet dies aber auch, wie uns scheint, darauf hin, dass ein grosser 
Theil des Silbers als gediegenes vorhanden sein mag. 
Ein bei der Arbeit im Grossen zufällig entstandenes krystallisirtes 
Amalgam enthielt 75'04 Quecksilber, 24‘18 Silber, 0‘77 Gold, war mit 
hin Agr, Hg 7 oder Ag 2 Hg 3 . 
Diese Mittheilungen lassen von Neuem erkennen, dass die Vor 
gänge bei der amerikanischen Amalgamation immer noch nicht so klar 
sind, wie man wünschen möchte. Es genügt, daran zu erinnern, dass 
der Theorie von Sonnenschmidt, Karsten und Boussingault ge 
genüber, welche in den Schematen 
2 CuCl 2 + Ag 2 S = 2 AgCl -f 2 CuCl S, 
2 CuCl -f Ag 2 S — 2 AgCl 4- Cu,S 
ihren schliesslichen Ausdruck findet, Bowring die Bildung von Chlor 
silber ganz und gar leugnet, und aus dem Kupferchlorür durch den 
Einfluss der Luft das Oxychlorid, Cu,Cl. 2 0, sich bilden lässt, welches: 
3 Cu. 2 Cljj 0 + Ag 2 S + H 2 0 = 2 Ag 4- 6 CuCl + H 2 S0 4 
bilde. Also Kupferchlorür werde neben freier Schwefelsäure regenerirt! 
Wirft man einen Blick auf die jetzigen Gewinnungsmethoden des 
9 Karsten, Abh. der Bert Akad. 1828. Boussingault, Pogg. 
Ann. XXXII, 109. (Vergl. Bammelsberg, Lehrb. d. chem. Metalluro-ie, 
2. Aufl.)
	        
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