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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

Wismuth. 963 
fertigt, die, anstatt der Graphitstifte, zum Schreiben auf besonders prä- 
parirtem, mit Knochenasche überzogenem Papier dienen. 
Einen nicht unwesentlichen Wismuthverbrauch hat auch die Ein 
führung der Porcellanlüsterfarben mit sich gebracht, welche 
ursprünglich von Brian chon herrührt. Ueber die Decoration mit 
diesen Lüstern hat Salvetat anlässlich der Pariser Ausstellung 1867 
referirt 3 ).. Der Wismuthlüster dient theils für sich als glänzender,' 
farbloser, irisirender Ueberzug auf Porzellan, theils als Bestandtheil 
verschiedener Combinationslüster, z. B. des Wismuthoxyd - Chromoxyd 
lüsters, der citronen- bis schwefelgelb ist. Man kann den Wismuth- 
lüster nach Schwarz 2 ) darstellen, indem man 1 Thl. basisches Wis- 
muthmtrat mit 6 Thln. Harz verreibt und das Gemisch im Sandbade 
möglichst gelinde erhitzt, bis nur noch eine geringe Menge Ungelöstes 
iühlbar ist. Hierzu wird dann eine geeignete Menge Lavendelöl ge 
setzt. Zweckmässig ist folgendes Mischungsverhältniss: 0’23 g Wis- 
muthsalz, L53 g Harz, 3 - 20 g Lavendelöl. Setzt man zu Wismuthlüster 
Glanzgold und zwar in solchem Yerhältniss, dass auf 1 Thl. metalli 
sches Gold, 1 Thl. Wismuthoxyd kommt und der gemischte Lüster 
etwa 5 p. C. Gold und 5 p. C. Wismuthoxyd enthält, so bekommt man 
einen ausgezeichnet schönen Kupferlüster mit goldig - kupferfarbenem 
Reflex. Werden auf 1 Thl. Gold 2 bis 3 Thle. Wismuthoxyd ange 
wendet, so erhält man beim Einbrennen einen mehr blau violetten, 
spiegelnden Ueberzug, der aber noch immer goldigen Reflex zeigt. 
Ueberwiegt das Gold, so dass etwa 2 Thle. Gold auf 1 Thl. Wismuth 
kommen und verdünnt man die Mischung bis zu J / 2 his l U p. C. Gold 
gehalt, so erhält man beim Aufbrennen ein reines Rosenroth. Waltet 
dagegen das Wismuth vor (3 bis 4 Thle. Wismuthoxyd auf 1 Thl. Gold), 
so entsteht nach dem Verdünnen und Auf brennen ein sehr schönes, 
helles Blau. Bei der röthlichen Nuance empfiehlt sich als Verdünnungs 
mittel Schwefelbalsam, bei Blau kann man ohne Bedenken Lavendelöl 
benutzen. 
Uebrigens sind die Wismuthverbindungen noch weit ausgedehnterer 
Verwendung fähig, als sie bis jetzt gefunden haben. So dürfte das 
Wismuthnitrat, in Folge seiner ätzenden Eigenschaften, in vielen 
Fällen den theuren Höllenstein zu ersetzen im Stande sein; es lässt sich 
dasselbe, allerdings unter theilweisem Zerfallen in basisches und saures 
Salz, in gelinder Hitze schmelzen und gleich dem Silbernitrat in Stan 
gen giessen, die, wenn der Hitzegrad richtig getroffen war, vollkom 
mene 1 estigkcit besitzen und stark ätzend wirken. Besonders aber 
verdient das Wismuthoxyd als geeignetes Material für die Herstel- 
3 ) Salvetat, Bullet, de la Sociötö d’encouragement 1867, 490. 
) Schwarz, Dingl. pol. J. CXCVII, 251; D. Ind. Ztg. 1870, 358; Wagn. 
Jahresber. 1871, 304 u. 309. 
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