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Gruppe III. Chemische Industrie.
reducirend wirkt und das Arsenglas in Folge dessen dunkel ausfällt 1 ).
Das Arsenglas zeichnet sich namentlich durch grössere Dichtigkeit aus
und wird deshalb in gepulvertem Zustande dem Arsenmehl vielfach
vorgezogen; es bildet farblose oder gelbliche, fast durchsichtige Stücke
und wird beim Liegen an der Luft von aussen nach innen zu trübe,
porzellanartig, indem die amorphe arsenige Säure in die krystallinische
Modification übergeht. Beide Modificationen unterscheiden sich nach
L. A. Büchner 2 ) durch ihre verschiedene Löslichkeit in Wasser. Es
bedarf, wenn man sie einen Tag lang mit Wasser von 15° in Berüh
rung lässt,
1 Thl. krystallisirte arsenige Säure 355 Thle. Wasser
1 „ amorphe „ „108 „
zur Lösung. Sättigt man Wasser in der Siedehitze damit und lässt
dann die Lösungen 24 Stunden bei 15° stehen, so enthalten dieselben
beziehungsweise
1 Thl. krystallisirte arsenige Säure auf 46 Thle. Wasser
1 „ amorphe „ 30
Lässt man arsenige Säure aus einer wässerigen Lösung auskrystal-
lisiren, die gleichzeitig organische Farbstoffe enthält, so vermag sie nach
A. Scheurer-Kestner °) der gefärbten Flüssigkeit den Farbstoff in
gewissem Grade zu entziehen und dann in gefärbten Krystallen anzu-
schiessen. So krystallisirt sie aus einer braunen, brenzliche Producte
enthaltenden Lösung braun, aus Fernambukabkochung roth, aus Cur
cumalösung gelb, aus Indigschwefelsäure enthaltenden Flüssigkeiten
blau und in allen diesen fällen erscheint die Mutterlauge fast farblos.
Sind neben arseniger Säure Salze in Lösung, die gleichzeitig mit kry-
stallisiren, so erscheinen deren Krystalle ungefärbt.
Dass die arsenige Säure mit Schwefelsäureanhydrid eine Verbin
dung einzugehen vermag, beobachtete F. Reich 4 ). Es fand sich die
selbe in schönen Krystallen in einem Röstcanal der Muldner Hütten
bei Freiberg; sie bestand aus 27'81 p.C. S0 3 und 72T3 p. C. As 2 0 3
und ward durch W asser sofort zerlegt, indem Schwefelsäure in Lösung
ging und Arsenigsäureanhydrid zur Abscheidung gelangte.
Arsensäure, HijAsCR, wurde bisher immer dargestellt durch
Erwärmen von arseniger Säure mit Salpetersäure oder besser mit
Königswasser. Behufs fabrikmässiger Gewinnung empfiehlt nunGirar-
din ), die arsenige Säure in der Siedehitze in Salzäure zu lösen und
J ) Vergl. East u. Bräuning, Zeitschr. f. Berg-, Hütten- u. Salinen-
wesen im preuss. Staate 1870, XVIII, 188 bis 190; Berg- u. Hüttemnänn. Ztg.
1871, 245; Wagn. Jahresber. 1871, 195. 2) Büchner, Dingl. pol. J.
CCXI, 248. 3 ) Scheurer-Kestner, Wagn. Jahresber. 1862, 381. 4 )Reich,
Journ. pr. Chem. 1863, 176. s ) Girardin, Bullet. Sociötö d’Encour. 1865,
36; Dingl. pol. J. CBXXVI, 47 u. 407; Wagu. Jahresber. 1865, 397.