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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
rückstände von der Anilinfarbenfabrikation in geeigneter 
Weise zu verarbeiten, einestheils um sie unschädlich zu machen, anderen 
teils, um das in ihnen enthaltene Arsen der Industrie in nutzbarer 
Gestalt zurückzugeben. Die Wichtigkeit des Gegenstandes erkennend, 
setzte der Verein zur Beförderung des Gewerbfleisses in Preussen 1869 
einen Preis für die Lösung dieses Problems aus, bestehend in der 
goldenen Denkmünze und der Summe von 2000 Thlr. Vorher schon 
waren verschiedene Vorschläge zur Erreichung dieses Ziels gemacht 
worden, und zwar sind die wichtigsten der empfohlenen Methoden 
folgende: 
P. Bolley 1 ) empfiehlt, die Anilinrückstände mit concentrirter Salz 
säure oder mit einem Gemenge von Kochsalz und Schwefelsäure der 
Destillation zu unterwerfen und auf solche Weise das Arsen in Gestalt 
von Arsenchlorür zu verflüchtigen. Beim Verdünnen des Destillats 
mit Wasser scheidet sich der grösste Theil des Arsens in Form von 
arseniger Säure ab. 
Nach Bandu & Co. 2 ) werden die Rückstände in einem Cokeofen 
calcinirt, wobei Arsen verdampft, welches zu arseniger Säure verbrennt, 
die sich in Giftfängen condensiren lässt. 
Stopp 3 ) behandelt die Rückstände mit Salzsäure, sättigt die Lö 
sung mit Soda und fällt hierauf mit Kalk. Der erhaltene Niederschlag 
wird mit Schwefelsäure und Salpetersäure erhitzt, wodurch Gyps ent 
steht, der zur Abscheidung gelangt und Arsensäure zurückgebildet 
wird, die in Lösung bleibt. 
Tabourin und Lemaire 4 ) schlagen vor, die Anilinrückstände mit 
Kalk zu versetzen und den getrockneten Niederschlag mit Kohle zu 
glühen, wobei, ähnlich wie bei dem Randu’schen Verfahren, Arsen 
verdampft, welches man durch Verbrennen in arsenige Säure über 
führt, die in Giftfängen condensirt wird. 
Die Sulfide des Arsens, welche in der Natur als Realgar, 
As 2 S 2 , und als Auripigment, As 2 S 3 , auftreten, werden künstlich in 
beträchtlicher Menge dargestellt, jedoch nie in reinem Zustande, ja zum 
Theil sind diese Producte nichts anderes, als eine durch mehr oder 
weniger Arsensulfid gefärbte arsenige Säure. 
Das Realgar, rother Arsenik, Rubinschwefel, Arsenikrubin, Rausch- 
roth, Rothglas, As 2 S 2 , wird nach Käst und Bräuning 5 ) auf den könig 
lichen Schmelzhütten zu Freiberg aus Arsenkies und Schwefelkies hal 
tenden Erzen dargestellt. Die gattirten Schliche mit 15 p. C. As und 
1) Bolley, Schweiz.Polyt. Zeitschr. 1863, 28; Ding! pol. J. CLXVIII, 51; 
Wagn. Jahresber. 1863, 600. 2 ) Ban du u. Co., Bull. Soc. chim. 1866, VI, 
254; Ding! po! J. CLXXXIV, 145; Wagn. Jahresber. 1867, 58! 3 ) Stopp, 
Ebendas. 4 ) Tabourin u. Lsmaire, desgl. 6 ) K a st u. B rä un i ng, 
Zeitschr. f. d. Berg-, Hütten und Salinenwesen im preuss. Staate 1870, XVIII, 
188 bis 190; Wagn. Jahresber. 1871, 195.
	        
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