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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
zustellen, bringt man nach C. Sieberg 1 ) fein gepulvertes Antimon 
mit rauchender Salpetersäure zusammen und zwar in Schüsseln aus 
Steinzeug, die, um ihr Zerbrechen zu verhindern, mittelst Cement in 
gusseiserne Schüsseln von derselben Gestalt eingesetzt sind. Die ent 
stehenden Dämpfe von Untersalpetersäure führt man in die Bleikam 
mer. Jede Schüssel wird nach dem Yorwärmen mit 3 Kg Antimon 
beschickt und nach und nach je 1 Kg Salpetersäure zugegeben, bis 
die Reaction vorüber ist, wozu 14'5 Kg rauchende Säure von 1‘44 
Vol.-Gew erforderlich sind. Die Oxydation dauert 1 / 2 bis i / i Stunden und 
erfordert anhaltendes Umrühren, welches noch 1 / 2 Stunde länger fort 
gesetzt werden muss. Die erhaltene Antimonsäure wird zu je 50 Kg 
in eisernen Retorten gelinde geglüht, bis jede Spur Salpetersäure und 
Wasser entfernt ist; sie bildet ein schön gelbes Pulver und wird, noch 
ehe sie ganz erkaltet ist, zur Fabrikation des Anilinroths verwendet. 
Die Antimonverbindungen werden ferner seit ältester Zeit und 
noch heute in ausgedehnterWeise als Medicamente benutzt und ins 
besondere bildet der Brechweinstein ein viel gebrauchtes Brechmittel. 
Antimönsulfür findet als Ant. crud. Anwendung in der Feuer 
werkerei und zur Darstellung gewisser Zündsätze, z. B. bei der 
Bereitung der Zündpillen für die Zündnadelgewehre, bei der 
Herstellung der schwedischen Streichhölzer etc. Das auf nassem 
Wege erhaltene Antimonsulfür bildet in der Neuzeit ein beliebtes Vul- 
canisirungsmittel für Kautschuk, dem es gleichzeitig eine roth- 
braune Farbe ertheilt. Der sogenannte Antimonzinnober findet 
Anwendung als Oel- und Wasserfarbe. R. Wagner 2 ) schreibt dem 
selben auf Grund angestellter Analysen die Zusammensetzung 2 Sb 2 S 3 , 
Sb 3 0 3 zu, während Akermann 3 ) ihn für reines Antimonsulfür, 
Sb 2 S 3 , hält. Uebrigens vermag der Antimonzinnober nach R. Wagner’s 
Beobachtung 4 ) selbst in gut ausgewaschenem, lufttrocknem Zustande 
bei der Aufbewahrung in verschlossenen Gefässen binnen Jahresfrist 
in ein schwarzes Pulver überzugehen. Antimonehlorür dient in der 
Heilkunde als intensives Aetzmittel. Seine Lösung giebt beim Fäl 
len mit Kaliumferrocyanid einen kornblumenblauen Niederschlag, der 
von R. Böttger 6 ) als Farbe empfohlen wurde. Nach Kraus 3 ) besteht 
dieser Niederschlag aus einer dem Berlinerblau ähnlichen Cyaneisen 
verbindung, die frei von Antimon ist und ebensogut mit Quecksilber 
chlorid erzeugt werden kann. 
Handel. In den Jahren 1862 bis 1865 herrschte im Antimon 
handel auffallende Flauheit, namentlich weil die Schriftgiesser schwach 
! ) Sieberg, Ding! pol.J. CLXXI, 366; Bullet.de la sociötö cliim. 1864, 
I, 136; Wagn. Jahresber. 1864, 281. 2 ) Wagner, Jahresber. 1858, 235. 
3 ) Akermann, Journ. pr. Chem. 86, 57; Wagn. Jaliresber. 1862, 330. 
4 ) Wagner, Jahresber. 1862,330. 5 ) Böttger, Polyt. Notizbl. 1872, 
No. 7; Ding! po! J. CCIV, 160. 6 ) Kraus, Ding! po! J. CCIX, 28.
	        
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