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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

988 Gruppe III. Chemische Industrie. 
lischer Erze soll namentlich in der letzten Zeit sehr zugenommen 
haben, doch fehlen hierüber nähere Angaben. Erst in der allerneue- 
sten Zeit scheint man auf den ungeheuren Reichthum Australiens an 
Zinnerzen aufmerksam geworden zu sein, und die Ausdehnung der 
dortigen Lager näher untersucht zu haben. Das Zinnerz kommt in 
Australien, wie auf der Insel Banca, sowohl als Seifenzinn wie in Gän 
gen vor. Es findet sich sowohl in Queensland als in New England 
in New South Wales. Im ersten District befinden sich Seifenzinnerze 
in einer Ausdehnung von 170 engl. Meilen. New South Wales ver 
mag der Angabe nach 25 Mal soviel Zinn zu liefern als Cornwallis Q. 
Auf der Weltausstellung in Wien waren in der australischen Abthei 
lung Karten ausgestellt, die die Lage und Ausdehnung der Zinnerz 
felder angaben. Ob in Australien schon metallisches Zinn gewonnen 
wird, hat der Verfasser nicht ermitteln können. — Das Zinnerz in 
Australien hat auch deshalb eine grosse Bedeutung, weil die Frachtver 
hältnisse nach Europa sich günstig gestalten müssen, indem bei der 
grossen Ausfuhr der voluminösen australischen Wolle das Zinn, oder 
das Zinnerz, sehr passend als Ballast gesendet werden könnte. 
Das Vorkommen des Zinns im sächsischen Erzgebirge, sowohl in 
Sachsen als Böhmen, hat für uns ein besonderes Interesse. 
Der Bergbau datirt aus dem 15. Jahrhundert und wurde in frühe 
ren Jahrhunderten lebhaft betrieben; jetzt ist nur noch ein grösseres 
Bergwerk, Altenberg im Königreich Sachsen, im Betriebe, das jährlich 
etwa 3000 Ctr. Zinn liefert. Das Zinnerz ist im Porphyr eingesprengt, 
und das Erz ist so wenig reichhaltig, dass etwa 1 000 000 Ctr. Erze 
gewonnen werden müssen, um obiges Quantum darzustellen, so dass der 
Centner Erz durchschnittlich nicht mehr als 150 g Zinn liefert. 
Das Altenberger Zinn enthielt früher Wismuth. Jetzt wird das 
Wismuth vor dem Schmelzen durch Ausziehen mit Salzsäure entfernt, 
und als Nebenproduct 1200 bis 1500 dieses werthvollen Metalles ge 
wonnen. 
Das Zinn ist, wie bekannt, ein für gewisse Legirungen ganz un 
entbehrliches Metall, und besonders der Verbrauch für Metalllager ein 
sehr grosser. 
Die Eisenbahnen verbrauchen zu den Lagern der Achsen der Per 
sonen- und Güterwagen jährlich ein sehr bedeutendes Quantum Zinn, 
das geradeso wie das in der Druckerei und Färberei verwendete voll 
ständig aus dem Verkehr verschwindet, während das, welches einen 
Bestandtheil des Glockenmetalls, Kanonenmetalls etc. ausmacht, Jahr 
hunderte lang im Verkehr bleibt und auch durch Umschmelzeu stets 
anderweitig wieder verwendet wird. 
In der Färberei ist das Zinn zuerst um das Jahr 1630 verwendet 
!) Berg- u. Hüttenm. Ztg. 1873, Nro. 6.
	        
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