Zinn.
991
denken, das Zinnoxyd mit den Farbstoffen zu verbinden. Es geschah
dies in der Weise, dass man die Zeuge vor dem Druck mit zinnsaurem
Natrium imprägnirte, darauf durch verdünnte Schwefelsäure zog. Hierdurch
wird das Zinnoxyd niedergeschlagen und verbindet sich mit der
Faser. Es bildet sich hierbei Natriumsulfat, durch welches das Zinnoxyd
so vollständig aus seinen Lösungen gefällt wird, dass Löwenthal
diese Methode, wie bekannt, zur Bestimmung des Zinnoxyds
vorgeschlagen hat. Das zinnsaure Natrium kann man sich selbst für
obigen Zweck bereiten, indem man Zinnchlorid in Natronlauge löst, es
bildet sich neben zinnsaurem Natrium eine Kochsalzlösung. Wenn
man zu diesem Zwecke das obige krystallisirte Zinnchlorid verwendet,
so erhält man ein Präparat von stets gleicher Zusammensetzung. Die
Zeugdrucker und Färber bereiteten sich auch zuerst das Präparat in
dieser Weise, später wurde das zinnsaure Natrium Handelsartikel und
die Zeugdrucker und Färber ziehen es vor, das fertige Präparat zu
kaufen. Es giebt verschiedene Methoden, dieses Salz darzustellen.
Man schmilzt Zinnerz, welches durch Schlämmen von allen fremden
Substanzen möglichst befreit ist, mit Natronhydrat, löst die erhaltene
Masse in Wasser auf, um das ungelöste Erz zu entfernen, und dampft
die erhaltene Lösung wieder ein. Eine sehr gebräuchliche Methode
ist, metallisches Zinn mit Natronhydrat, salpetersaurem Natrium und
Kochsalz zusammenzuschmelzen, wodurch sich zinnsaures Natrium
bildet. Das Kochsalz scheint nur dazu zu dienen, die sehr heftige
Wirkung der Substanzen auf einander zu mässigen. Jedenfalls ist es
eine Thatsache, dass sämmtliche Präparate des Handels Kochsalz in
sehr verschiedenen Mengen enthalten, und der Gehalt an Zinnoxyd
von 16 bis zu 46 p. C. schwankt. Die Darstellung dieses Präparats
^ erfordert viele Vorsicht, weil man sonst sehr wechselnde Mengen von
anormalem unlöslichen und daher wirkungslosem Zinnoxyd erhält. Das
zinnsaure Natrium wird jetzt viel weniger als früher gebraucht, und
zwar einestheils, weil jene unechten Dampffarben, zu denen es vorzugsweise
verwendet ward, durch die wechselnde Mode verdrängt sind,
anderntheils weil die Darstellung der halbwollenen Zeuge, zu denen es
vorwaltend diente, fast ganz aufgehört hat.
Ein grosser Theil des Zinnes wird zum Verzinnen des Weissbleches
verwendet, und es hat nicht an Versuchen gefehlt, dasselbe
wieder nutzbar zu machen, besonders aus den werthlosen Schnitzeln,
die bei der Verarbeitung desselben abfallen. Higgins 1 ) war wohl der
Erste, der Weissblech im Grossen und zwar zur Darstellung von zinnsaurem
Natrium verwendete. Derselbe behandelte das Weissblech mit
Salzsäure und salpetersaurem Natrium, fällte das Zinnoxyd mit Kalkhydrat
und löste den erhaltenen Niederschlag in Natronhydrat auf. Neuerl
) Vevgl. Hofmann, Reports by the Juries X, 101.