994 Gruppe III. Chemische Industrie.
des Platins beschäftigte, lehrte 1 ) die Schweissbarkeit des Platins und
legte dadurch den Grund zu der Platinindustrie. Sein Verfahren,
welches mit unwesentlichen Aeriderungen in den mechanischen Vorrichtungen
, noch heute in Anwendung ist, besteht darin, dass der
lockere, durch Glühen des Platinsalmiaks erhaltene Platinschwamm
zerrieben, mit Wasser zu einem Brei vermengt und in einem Messingcylinder
mittelst eines stählernen Stempels stark zusammengepresst
wird. Der entstandene Platinkuchen wird erst schwach geglüht und
alsdann bei möglichst hoher Temperatur in einem scharf ziehenden
Windofen erhitzt und noch glühend mit schweren Hämmern bearbeitet.
Dass die auf diese Weise ermöglichte leichte Bearbeitung des
Platins, die Einführung von Platingefässen (Tiegeln, Schalen, Betörten
u. s. w.), Platinblech und Platindraht in die chemischen Laboratorien,
einen bedeutenden Einfluss auf die Entwickelung der Chemie, insbesondere
der Mineralchemie ausgeübt hat, ist jedem Chemiker bekannt.
Die Unschmelzbarkeit des Platins bei den gewöhnlich in den Laboratorien
angewandten Temperaturen, dessen Unveränderlichkeit und Widerstaudsfähigkeit
gegen die meisten Reagentien ermöglichte eine Menge
Operationen, welche früher wegen Mangels eines passenden Gefässes
gar nicht oder doch nur nach Ueberwindung zahlreicher Schwierigkeiten
ausgeführt werden konnten. Aber auch die chemische Industrie hat
grössere Platingefässe zu ihrem Vortheil benutzt; es ist hierbei nur an
die Einfühi’uug der kostspieligen Platingefässe in die Schwefelsäurefabriken
und die Anstalten für Scheidung der edlen Metalle zu erinnern.
Besonders nahm sich die russische Regierung, veranlasst durch den
Platinreichthum des Uralgebirges, der Platinindustrie an. In Petersburg
ward eine grosse Anstalt zur Herstellung von reinem Platin aus dem
Erz ins Leben gerufen. Jedoch war die Verwendbarkeit des neuen edlen
Metalls doch im Ganzen nur eine geringe und stand nicht in richtigem
Verhältniss zu der jährlich aufgefundenen Menge desselben. Als daher
im Jahre 1827 2 ) die Platinvorräthe auf der Petersburger Münze sich
zu einer beträchtlichen Menge (11 Pud) angesammelt hatten, suchte
die Regierung diesen Vorräthen durch Verwendung des Platins als
Münzmetall Absatz zu schaffen. Die neue Münze, welche übrigens nur
in freiwilligen Umlauf gesetzt wurde, so dass Niemand zu deren Annahme
verpflichtet war, bewährte sich jedoch nicht, hauptsächlich wegen der
Schwierigkeit, bei der völligen Unsicherheit der Platinpreise im Handel,
einen constanten Münzwerth festzustellen. In der That differirte bald
der für die Platinmünzen angenommene Nominalwerth so bedeutend
i) Scüon früher hatte Chahaneau das Platin mit bestem Erfolge in
Barren darzustellen versucht; seine Erfindung blieb aber ohne Folgen und
gerieth in Vergessenheit. 2 ) Vergl. die Schrift: Im Ural und Altai, Briefwechsel
zwischen Al. v. Humboldt u. Graf v. Cancrin. Leipzig, Brockhaus
1869.