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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

Platin und Platinmetalle. 995 
von dem Handelswerthe des Platins, dass die russische Regierung sich im 
Jahre 1845 genöthigt sah, die Prägung von Platinmünzen einzustellen 
und die vorhandenen einzuziehen. Es waren im Ganzen an Platin- 
münzen ausgegeben worden 4 146 504 Rubel (4746 Rubel ä Pud), 
wovon o 263 292 Rubel an die Staatscasse zurückgeliefert wurden. In 
Folge der Aufhebung der Platinmünzen sank die jährliche Ausbeute 
bedeutend, so dass, während früher durchschnittlich jährlich 100 Pud, 
iin Jahre 1843 sogar 210 Pud an die Regierung abgeliefert wordeu, 
die jährliche Ausbeute in den nächsten zehn Jahren nur etwa 40 Pud 
betrug. Im Jahre 1858, als die Platinpreise wieder constant zu steigen 
anfingen und in 1 olge dessen auch die Ausbeute am Ural eine grössere 
wurde, hat man die Idee der Platinmünzen wieder aufgenommen, um die 
m der Petersburger Münze als todtes Capital aufgehäuften Vorräthe von 
ca. 900 Pud zu verwerthen. Eine zu diesem Zwecke zusammenberufene 
Commission erklärte sich jedoch definitiv gegen die Wiedereinführung 
der Platinmünzen, hauptsächlich aus den Gründen, welche früher schon 
den ersten Versuch hatten scheitern lassen. Es wurde nun um be 
stehende Missverhältnisse aufzuheben die Platinindustrie des Landes 
freigegeben, und die obligatorische Reinigung des Rohplatins durch 
den Münzhof aufgehoben. Wie veränderlich seitdem die jährliche 
Production von Platinerz im Ural war, geht aus folgenden Zahlen her 
vor: Es wurden producirt: 1862 : 142 Pud 1 Pfd.; 1863 : 30 Pud 2 Pfd. 
1864:24 Pud 9 Pfd.; 1865: 138 Pud 32 Pfd.; 1867.107 Pud 38 Pfd.; 
und 1871 : 125 Pud 6 Pfd. 
Von nicht unbedeutendem Einflüsse auf die Entwickelung der Platin 
industrie waren die mehrere Jahre fortgesetzten Untersuchungen, welche 
die französischen Chemiker Sainte-Claire-Deville undDebray über 
das Platin und die Platinmetalle angestellt hatten. Diese Arbeiten 
lieferten eine reiche wissenschaftliche Ausbeute durch Vermehrung der 
Kenntnisse dieser Metalle; sie lehrten das Platin in grösseren Massen 
schmelzen und zeigten die Möglichkeit, die Herstellung desselben wie 
der Legirungen des Platins mit seinen Begleitern durch Einführung des 
trocknen Weges zu vereinfachen. 
Lange Zeit galt das Platin für unschmelzbar; erst als nach Ent 
deckung des Sauerstoff- und Wasserstoffgases man mittelst des Knall 
gasgebläses Temperaturen erzielte, welche alle bis dahin angewandten 
Hitzegrade bedeutend übertrafen, war die Möglichkeit zur Schmelzung 
von Platin gegeben. Verschiedene Angaben über die auch mit Be 
nutzung anderer Wärmequellen gelungene Schmelzung von Platin sind 
darauf zurückzuführen, dass sich bei diesen Versuchen eine leichter 
schmelzbare Legirung von Platin mit Kohle oder Silicium gebildet 
batte. Hierher gehören die Angaben von Lavoisier *), der kleine 
x ) 8- den Aufsatz über die Elemente des Wassers von Prof. Oppen 
heim, S. 1 dieses Berichtes. 
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