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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

Platin und Platinmetalle. 997 
Anwendung des Knallgasgebläses in der Platinindustrie muss der Umstand 
heryorgehoben werden, dass es nunmehr auch gelang, Platin mit Platin 
zu löthen, eine Operation, welche vordem nur mittelst Gold ausgeführt 
werden konnte. 
Darstellung desPlatins aus demErz auf trocknem Wege. 
Eine der Hauptaufgaben, welche sich Deville und Debray stellten, 
war die, die bisher umständlichen Methoden der Reinigung des Platins 
zu vereinfachen und aus dem Platinerz durch möglichst einfache und 
billige Operationen ein für die Technik nutzbares, wenn auch noch 
Iridium und Rhodium haltiges Product zu erzielen. Die Principien 
der von ihnen vorgeschlagenen Methoden sind in Kurzem folgende *): 
1. Schmelzen der Erze für sich. Durch das Schmelzen der 
Erze in den erwähnten aus Kalk geformten Oefen erhält man ein ziem 
lich reines Platin, welches, Iridium und Rhodium ausgenommen, fremde 
Metalle oder andere Verunreinigungen nicht mehr enthalten kann. Die 
Verfasser bemerken, dass sich diese Methode zum Wiederherstellen von 
altem Platin besonders gut eigene, indem allein demselben enthaltenen 
Beimengungen: jSchwefel, Phosphor, Arsenik, Gold (an Löthstellen), 
Eisen, Kupfer, Palladium, Osmium, abgeschieden und vom Kalk absor- 
birt oder verflüchtigt werden. Das erhaltene Platin ist so geschmeidig 
und weich, wie das Kupfer und daher für Medaillen vorzüglich geeignet, 
für die meisten Anwendungen aber zu weich. Soll Platinerz auf diese 
Weise verarbeitet werden, so wird demselben, um die Masse des Ofens 
zu schonen, Kalk zugesetzt; man erhält in diesem Falle brauchbare 
Legirungen des Platins mit Iridium und Rhodium. 
2. Darstellung des reinen Platins durch Schmelzen des 
Erzes mit Bleiglanz. Es beruht diese Methode auf der Eigenschaft 
des Bleies sich mit dein Platin und den in demselben enthaltenen 
Metallen zu legiren, während das Osmium-Iridium sich gegen das Blei 
indifferent verhält, so dass man dasselbe nach dem Schmelzen am unteren 
Theile des platinhaltigen Bleiregulus antrifft. Ist Eisen zugegen, so 
hindert dasselbe die Einwirkung des Bleies auf die Metallkörner; die 
Verfasser nehmen statt des Bleies Bleiglanz, aus welchem durch das 
Eisen Blei abgeschieden wird. Zur Darstellung im Kleinen werden 
einige Kilogramme Platinerz mit dem gleichen Gewicht Bleiglanz und 
einem Flussmittel, bestehend aus Glas und Borax, in einem Tiegel bis 
zum Schmelzpunkt des Silbers erhitzt. Wenn das Osmium-Iridium 
l ) Sainte-Claire-De ville u. Debray, Ann. chim. pbys. [3]LVI, 385; 
[3] LXI, 5; Compt. rend LIY, 1139; Dingl. pol. J. CLIIX, 38; OJJ-V, 130, 
199, 287, 383 ; CLXY, 198, 205.
	        
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