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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

404 Gruppe III. Chemische Industrie. 
Mutterlaugen abgeschieden werden dürfen; die Schwefelverbmdungen, 
welche bei der Sodafabrikation in den Mutterlaugen beseitigt werden, 
mussten hier direct aus den Laugen entfernt werden. Schliesslich aber 
gelangte man dennoch, zumal durch Carbonisirung der Laugen, zu 
zufriedenstellenden Resultaten, und augenblicklich hat die Fabrikation 
von Potasche aus schwefelsaurem Kalium eine grosse Ausdehnung ge 
wonnen. Die anfänglich benutzten oben erwähnten Rohstoffe reichten 
bald nicht aus, den Bedarf für die künstliche Potasche zu decken, man 
musste sich nach anderen Quellen für schwefelsaures Kalium Umsehen. 
Der Gedanke, die im Stassfurter Kalisalzlager neben Chlorkalmm 
in Form von schwefelsaurem Magnesium (Kieserit) vorkommende 
Schwefelsäure auf das Kalium zu übertragen, d. h. durch Wechsel 
wirkung zwischen Chlorkalium und schwefelsaurem Magnesium ein für 
die Potaschefabrikation brauchbares schwefelsaures Kalium herzu 
stellen, lag nahe. Viele dahin gerichtete Versuche führten immer nur 
auf Doppelsalze von schwefelsaurem Kalium und schwefelsaürem Mag 
nesium, welche durch wiederholte Raffinationen zwar zum Theil zer 
legt wurden und an schwefelsaurem Kalium reichere Producte lieferten, 
aber die erhaltenen Resultate waren doch nie ganz zufriedenstellende. 
Das angestrebte Ziel wurde schliesslich 1862 vom Verfasser durch Ein 
führung von 1 Mol. Chlorkalium in das aus gleichen Mol. Kalium- und 
Magnesiumsulfat bestellende Doppelsalz erreicht. 
Die Grundzüge dieses Verfahrens 1 ), welches mannichfache Phasen 
zu durchlaufen hatte und unter grossen Opfern in den Stassfurter 
Werken der Firma zur Ausbildung gelangte, waren: 
1. Bildung eines Doppelsalzes aus schwefelsaurem Kalium und 
schwefelsaurem Magnesium durch Einwirkung einer heissen Lösung 
von schwefelsaurem Magnesium (Kieserit) auf Chlorkalium nach folgen 
der Reaction: 
3 Ka CI + 2MgS0 4 = MgS0 4 , Ka 2 S0 4 + Ka CI, MgCI 2 . 
2. Zerlegung des zuerst angeführten Doppelsalzes, indem man 
dessen heisse Lösung auf Chlorkalium einwirken liess oder das unge 
löste Doppelsalz mit einer kalten Chlorkaliumlösung macerirte, nach 
folgender Gleichung: 
Ka 2 S0 4 , Mg S0 4 + 3 Ka CI = 2Ka 2 S0 4 + Ka CI, Mg CI,. 
3. Zerlegung des gebildeten künstlichen Carnallits (KaCl,MgLl 2 ) 
durch Raffination oder Maceration mit kaltem Wasser. 
Bei Aufwand von 3 Mol. Chlorkalium und 1 Mol. Magnesiumsulfat 
erhielt man daher als Endproducte 1 Mol. Kaliumsulfat, 1 Mol. Magne 
siumchlorid und 1 Mol. Kaliumchlorid zurück. 
l) Vergleiche hinsichtlich der hier besprochenen Keactionen auch den 
Aufsatz von Dr. A. Frank, Seite 366 dieses Berichtes.
	        
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