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Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

Platin  und  Platinmetalle.  1009
die  Aufgabe  an  diese  Chemiker  heran,  das  für  die  Platin-Iridinm-Legirung,
aus  welcher  die  Normalmaasse  gefertigt  werden  sollen,  erforderliche  reine
Indium  darzustellen.  Es  waren  im  Ganzen  250  Kg  der  Legirung  und
folglich  25  Kg  reines  Iridium  erforderlich.  Diese  Aufgabe  wurde  in
folgender  Weise  i)  gelöst:  Das  beim  Auflösen  des  Platinerzes  zurückbleibende ­
  Osmium-Iridium  wurde  mit  Zink  geschmolzen;  es  bildete  sich
unter  Entwickelung  von  Wärme  eine  Legirung,  aus  welcher  das  Zink
abdestillirt  wurde.  Osmium-Iridium  blieb  als  feines  Pulver  zurück,
welches  mit  salpetersaurem  Barium  geglüht  wurde.  Die  geschmolzene
Masse  hmterliess  beim  Behandeln  mit  Wasser  einen  Rückstand  von
Iridiumoxyd  und  osmiumsaurem  Barium.  Dieser  Rückstand  wurde  in
Salpetersäure  gelöst  und  die  Flüssigkeit  behufs  Abscheidung  und  Gewinnung ­
  der  Osmiumsäure  destillirt.  Aus  der  zurückbleibenden  Lösung
wurde  das  Iridiumoxyd  durch  Aetzbaryt  niedergeschlagen.  Letzteres
wurde  in  Königswasser  gelöst  und  durch  Salmiak  in  Form  von  Iridiumsalmiak ­
  gefällt;  der  durch  Glühen  desselben  erhaltene  Iridiumschwamm
enthielt  noch  etwas  Platin,  Ruthenium  und  ein  wenig  Rhodium  und
wurde  zum  Zweck  seiner  Reinigung  mit  Salpeter  geglüht,  wodurch  die
anderen  Metalle  oxydirt  wurden.  Die  geglühte  Masse  wurde  mit  Wasser
behandelt,  welches  ruthenigsaures  Kalium  auflöste,  und  hierauf  mit  Blei
geschmolzen,  welches  die  Metalle  absonderte.  Beim  Erkalten  krystallisirte
aus  dem  Bleiregulus  das  Iridium  rein  heraus.  Es  wurde  nun  von  dem
anhaftenden  Blei  durch  Salpetersäure  und  von  dem  Platin  durch  Königswasser ­
  befreit.  Die  Verfasser  bemerken,  dass  diese  Methode  mit  grossem
Vortheil  in  der  Industrie  angewandt  werden  könnte;  die  Massen  von
Osmium-Iridium,  welche  bisher  unbenutzt  blieben,  würden  alsdann  eine
Verwendung  finden  und  das  darin  enthaltene  Iridium  zum  Preise  des
Platins  verwerthet  werden  können.  Es  sind  auf  diese  Weise  37  Kg
reines  Iridium  für  die  Meter-Commission  dargestellt  und  8'2  Kg  reines
Osmium  als  Nebenproduct  gewonnen  worden,  welches  in  der  Sitzung
der  Pariser  Akademie  vom  1.  Juni  1874  vorgezeigt  wurde 2 ).  In  derselben ­
  Sitzung 3 )  zeigte  der  General  Morin  den  unter  Mitwirkung  der
Herren  Mathey,  Tresca  und  G.  Tresca  dargestellten  250  Kg  schweren
Block  von  Iridium-Platin  vor  und  beschrieb  in  ausführlicher  Weise  das
bei  dem  Schmelzen  dieser  Masse,  um  sie  in  allen  ihren  Theilen  homogen
zu  erhalten,  angewandte  Verfahren.  Das  eigentliche  Schmelzen  dieser
grossen  Masse  zweier  der  schwer  schmelzbarsten  Metalle,  welches  durch
J )  Deville  und  Debray,  Polyt.  Centralbl.  1874,  966,  aus  Le  technologiste
  1874,  194.  2 )  Deville,  Compt.  rend.  LXXVIII,  1509.  Derselbe
hebt  bei  dieser  Gelegenheit  die  äusserst  giftigen  Eigenschaften  der  Osmiumsaure
  hervor,  welche  bei  ihm  sowohl  wie  bei  seinen  Mitarbeitern,  den
Herren  Oiement  und  Debray,  verschiedenartige,  aber  intensive  Krankheitserscheinungen ­
  verursachte.  8 )  Morin,  Compt.  rend.  LXXVIII,  1502;
Hol.  Centralbl.  1874,  966.
Wiener  Weltausstellung.  III.

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