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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

2oio Gruppe III. Chemische Industrie. 
7 Gebläseflammen bewerkstelligt wurde, erforderte kaum lVa Stunden 
Zeit- es wurden verbraucht 31 cbm Sauerstoff und 24 cbm Leuchtgas. 
Der' glückliche Erfolg dieser Operation ist nach dem Be . rl ^ te f t ^® r 
nicht ohne Interesse für die Metallurgie überhaupt; unzweifelhaft durfte 
für dieselbe in vielen Fällen die Anwendung ähnlicher Methoden von 
Vortheil sein. 
Anwendungen der Platinmetalle. Ausser zur Darstellung 
von Legirungen mit Platin sind noch die folgenden Vorschläge, die 
Platinmetalle technisch zu verwenden, gemacht worden: 
Palladium. Legirungen des Palladiums finden nach Cox 1 ) 
Anwendung zur Herstellung von Spitzen der Bleistiftröhren, Lancetten, 
als Ersatzmittel des Goldes in der Zahntechnik und besonders zur Her 
stellung der graduirten Scalen an astronomischen Instrumenten. Das 
Palladium ist für den letzteren Zweck durch seine Unveränderlichkeit 
und dem Silber ähnliche Farbe geeignet, In England werden vielfach 
versilberte Metallwaren mit einem dünnen Ueberzug von Palladium 
versehen, welches der Schönheit der Farbe keinen Eintrag thut und 
durch die Einwirkung von Schwefelwasserstoff nicht anläuft 2 ). Durch 
Niederschlagen von Palladium auf Glas hat man 111 ähnlicher Weise, 
wie durch Platin, Palladiumspiegel hergestellt 3 ). Böttger 4 ) empfiehlt 
eine möglichst säurefreie Lösung von Palladiumchlorür als ausgezeich 
netes Reagens auf Leuchtgas, Kohlenoxyd, Grubengas und Aethylen. 
Halbfeuchte Streifen von Leinen oder Baumwolle, welche mit einer 
massig concentrirten Lösung von Palladiumchlorür getränkt sind, 
färben sich in Berührung mit jenen Gasen (auch mit Wasserstoff, je 
doch langsamer) intensiv schwarz. Das Palladium hat durch eine von 
Graham 5 ) gemachte Beobachtung iu neuerer Zeit das Interesse der 
Chemiker und Physiker in hohem Grade in Anspruch genommen. Dieser 
Forscher fand nämlich, dass das Palladium als negative Elektrode einer 
Batterie von 6 Bunsen’sehen Elementen bedeutende Mengen Wasser 
stoff im ungefähren Verhältniss des 200fachen seines eigenen Volums 
absorbire. Bei gewöhnlicher Temperatur zeigt der so gebundene 
Wasserstoff keine Spannung, er entweicht im Vacuum nicht; dagegen 
wird er beim Erhitzen auf 100° und wenn das Metall als positive 
Elektrode in eine Zersetzungszelle eingeschaltet wird, vollständig aus 
getrieben. Graham ist der Ansicht, dass das mit Wasserstoff beladene 
i) Cox, Phil. Mag. 1843, 16; Dingl. pol. J. LXXXIX, 385. 2 ) Mas- 
pratt-Kerl, techn. Chem. 1869, XV, 924. 8 ) Vasserot, Dingl. pol. 
J CLIII, 42. 4 ) Böttger, Dingl. pol. J. CLII, 76, aus Jahresber. des 
physik. Ver. zu Frankfurt a./M., 1857/58. 6 ) Graham, London E. Soc. 
Proc. XVI, 422; XVII, 212; Ann. Chem. Pharm. VI, Suppl. Bd. 284; CL, 353; 
CLII, 168; Dingl. pol. J. CXCI, 210, 382.
	        
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