MAK

Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

Seltene Metalle. 1017 
in Pulverform mit gepulverter Steinkohle im Chlorstrom geglüht. Es 
bildet sich Zirkon- und Siliciumchlorid, welches letztere durch schwache 
Hitze verflüchtigt wird. Aus dem Chlorid lässt sich auf gewöhnliche 
Weise die Zirkonsäure abscheiden. Dieselbe wird geglüht, mit bor 
säurehaltigem Wasser angefeuchtet und bei Hellrothgluth in eisernen 
Formen gebrannt. Nach einer späteren Mittheilung 1 ) waren jedoch 
die in den Handel gebrachten Zirkonsäurecylinder sehr klein, etwa von 
der Grösse einer Erbse und konnten daher nicht denselben Lichteffect 
hervorbringen, wie die bedeutend grösseren Kalkcylinder. Aber auch 
bei der Vergleichung von Zirkonsäure- und Kalkcylindern von derselben 
Grösse fiel der Versuch zu Gunsten des Kalks aus, indem die Zirkon 
säure ein weniger weisses und helles Licht ausstrahlte. Der angeb 
liche Vortheil der Zirkonsäurestifte, beständiger als die Kalkstifte zu 
sein und von der Flamme nicht zerstört zu werden, entschädigt durchaus 
nicht für ihren höheren Preis. Bei späteren Versuchen 2 ) mit derHydro- 
Oxygen-Gasbeleuchtung wurde daher auch von der Verwendung der 
Zirkonstifte Abstand genommen. 
Titan. Das Titan ist nicht eigentlich zu den selteneren Metallen 
zu rechnen; es findet sich im Titaneisen und als Titansäure in drei 
durch ihre Krystallform von einander verschiedenen Mineralien, Rutil, 
Brookit und Anatas. Im Titaneisen wurde es 1790 von Gregor, im 
Rutil 1795 von Klaproth entdeckt. Es ist bisher, trotz vielfacher 
Versuche, nicht geglückt, diesen Körper in einer seinem Vorkommen ent 
sprechenden Weise zur Verwendung zu bringen. Mushet 3 ) glaubte, dass 
die Eigenschaften des Stahls durch einen Titanzusatz verbessert werden 
können; diese Ansicht erwies sich jedoch als irrthümlich, als man fand, 
dass der angebliche „Titanstahl“ keine Spur Titan enthielt. Einen ebenso 
wenig günstigen Erfolg scheinen die Versuche gehabt zu haben, eine 
titanhaltige Bronze herzustellen. Nach einer Mittheilung vonWelly 4 ) 
soll man durch Zusammenschmelzen von Kupfer, Titaneisen und ein 
wenig Schwefel (wobei sich das Eisen als Schwefeleisen abscheidet) 
eine Legirung von Kupfer und Titan erhalten, welche sich durch eine 
schön goldgelbe Farbe, Festigkeit und Dehnbarkeit auszeichnet. In 
der Porzellanfabrikation wird das Titan in beschränkter Weise zur 
Darstellung von gelben Scharffeuerfarben benutzt. Elsner 6 ) hat zum 
Ersatz der grünen giftigen Arsenikfarben ein „Titangrün“ vor 
geschlagen ; er vermischt zur Darstellung desselben die salzsaure Lösung 
*) Pol. Centralbl. 1869, 1461 ; Dingl. pol. J. CXCIV, 519; aus Mech. 
Magaz. 1869, 458. 2 ) Dingl. pol. J. CXCVII, 291. s ) Mushet, Dingl. 
pol. J. CLY, 317; GLXIV, 74; CLXVI, 156; vergl. auch S. 783 u. 820 dieses 
Berichtes. 4 ) Welly, Blustrirte Gewerbezeitung 1867, 7. 6 ) Elsner, Yerh. 
des Vereins zur Bef. d. Gewerbefleisses i. Pr. 1846; Dingl. pol. J. CY, 130; 
Elsner’s, chem. technische Mittheil. 1859/1860, 46.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.