1018 Gruppe III. Chemische Industrie.
der Titansäure mit Blutlaugensalz und erhitzt zum Sieden. Der schön
dunkelgrüne Niederschlag wird mit salzsäurehaltigem Wasser ausge
waschen und vorsichtig getrocknet, weil er sich über 100° zer
setzt; die Farbe soll übrigens dem Schweinfurter Grün an Schönheit
nachstehen. Andere Titanfarhen sind durch Versmann auf der Lon
doner Ausstellung 1862 zur Kenntniss gelangt 1 )- Durch Ueberleiten
von trocknem An 1 akgas über in einem Porzellanrohre erhitzte
Titansäure stellte derselbe eine beständige, violette pulverförmige Sub
stanz von der Formel TiN her; andere Stickstoffverbindungen des
Titans, welche das Ansehen purpurfarbener Blättchen besitzen, werden
durch Einwirkung von Ammoniak auf Titanchlorid erhalten; glüht
man diese Blättchen in einem Strom von Wasserstoffgas, so verwandeln
sie sich in ein brillantes Gelb.
Die bedeutende Verwandtschaft des Titans zum Stickstoff versucht
Tessie du Motay zur Ueberführung des Stickstoffs der Luft in
Ammoniak zu benutzen. Nach der Beschreibung des in England ge
nommenen Patentes 2 ) werden die Stickstoffverbindungen des Titans
in einem Strom Wasserstoff erhitzt, während die zurückbleibenden
niedrigeren Stickstoffverbindungen des Titans beim Erhitzen in Stick
stoff denselben wieder aufnehmen. Durch abwechselndes Ueberleiten
von Wasserstoff und Stickstoff soll man auf diese Weise die Bildung eines
continuirlichen Ammoniakstromes erzielen.
Molybdän. Die Molybdänsäure wurde im Jahre 1778 von Scheele
entdeckt. Man findet das Molybdän besonders in zwei Mineralien als
Molybdänglanz (Schwefelmolybdän) und als Gelbbleierz (molybdänsaures
Bleioxyd). Dass das Molybdän noch eine grössere Verbreitung in der Natur
besitzt, darauf deutet der Umstand hin, dass es sich auch in vielen
Hüttenproducten, besonders in den Ofensauen findet. Eine grosse Zahl
von Chemikern hat sich mit der Untersuchung der chemischen Verbindun
gen dieses interessanten, in vielfacher Beziehung dem Wolfram ähnlichen
Metalls beschäftigt. Durch Behandlung der Molybdänsäure mit Reduc-
tionsmitteln (Zink und Salzsäure, Zinnchlorür u. a.) erhält man eine
tiefblaue Flüssigkeit, aus der durch Alkalien blaues molybdänsaures
Molybdänoxyd niedergeschlagen wird. Diese blaue Flüssigkeit ist viel
fach in der Färberei benutzt worden. Der erste Vorschlag hierzu
findet sich in einem Werke von Bancroft 8 ) über Färberei. Später
hat dann Keller 4 ) die Reduction der Molybdänsäure mittelst Zinn
chlorür vorgeschlagen und v. Kurrer 5 ) umfangreiche Versuche über
i) A. W. Hofmann, Reports by the Juries; Polytechnisches Centralblatt
1862, 892 aus: Rupert, de chim. appliquee 1862, 82. 2 ) Deutsch, ch. Ges.
Ber. 1872. 742. 3 ) Edw. Bancroft, Neues englisches Färbebueh; Nürnberg
1818, I, 481. 4 ) Keller, Dingl. pol. J. CXXI, 465. 6 ) v. Kurrer, Dingl.
pol. J. CXXIX, 139.