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Gruppe III. Chemische Industrie.
in jedem beliebigen Verhältnisse legiren lasse, und dass die resultirenden
Legirungen wie Magnesium zu Draht und Band verarbeitet werden
können. Die Legirung mit 5 p. C. Thallium ist geschmeidiger als
Thallium und haltbar, während die thalliumreicheren Legirungen sich
leichter oxydiren. Alle diese Legirungen verbrennen langsamer und
weniger lebhaft, als reines Magnesium; die Flamme ist kleiner und wider
Erwarten, selbst bei einer Legirung mit 50 p. 0. Thallium, fast weiss.
Auf eine andere Eigenschaft von Thalliumverbindungen hatBött-
ger 1 ) aufmerksam gemacht. Wenn man braunes Thalliumoxyd, welches
auf einfache Weise durch Digestion von frischgefälltem Thalliumchlorür
mit einer Auflösung von unterchlorigsaurem Natrium erhalten wird, mit
Schwefel ziemlich stark zusammenreibt, so findet eine Explosion unter
Entzündung des Schwefels statt. Nimmt man aber statt des Schwefels
circa den achten Theil des Gewichts von Trioxyd an Schwefelantimon,
so entzündet sich die Masse bei schwacher Reibung ruhig, ohne jegliche
Explosion. Es dürfte diese Beobachtung, wenn das Thallium billiger
geworden ist, gewiss vortheiihafte Verwendung in der Zündwaaren-
fabrikation finden.
Schliesslich sei noch erwähnt, dass auch der Versuch gemacht
worden ist, Thallium Verbindungen in die Farbenindustrie einzuführen.
Auf der Londoner Ausstellung 1871 haben Windsor und Newton 2 )
Thalliumchromate, grüne Thalliumfarben (ebenfalls Chromverbindungen)
und eine dunkelbraune Schwefelverbindung des Thalliums zur Verwen
dung in der Malerei ausgestellt.
i) Böttger, Polyt. Notizblatt 1867, 273. 2 ) Windsor und Newton,
Deutsche Industriezeitung 1871, 418, aus: Monit. scientif. 1871, 723.